25.03.2006 | Mannheimer Morgen

Wessinghage: Bewegung ist Leben

Dieser Mann muss es wissen: Europameister über 5.000 Meter, Weltcupsieger, Gewinner von 22 deutschen Meistertitel auf der Mitteldisdanz und noch immer nationaler rekordhalter über 1500 Meter und die seltener gelaufenen 2000 Meter: Schon lange hat Dr. Thomas Wessinghage seine erfolgreiche Karriere als Sportler beendet. Doch lassen kann der als ärztlicher Direktor in der Ostseebad-Rehaklinik Damp tätige Mediziner von der für ihn "schönsten Nebensache der Welt" nicht. Nicht nur selbst gelebte Philosophie, vielmehr medizinisch bergündete Überzeugung hat den einstigen Vorzeigeathleten zu einer persönlichen Erkenntnis bewogen, die da heißt " Bewegung ist Leben".
Warum dem so ist, erklärte Wessinghage jetzt rund 200 Interessierte im Neckarauer Logistik-Zentrum von Engelhorn sports. Das Mannheimer Unternehmen hatte den Hanseaten mit Blick auf den am 20. Mai anstehenden MLP Marathon zum Vortrag eingeladen. Und als sei es für ihn nach wie vor die einfachste Aufgabe der Welt, erreichte Wessinghage sein Ziel. Mit der gut gewählten Mischung aus trocken norddeutschen Humor, medizinischem Fachwissen
und persönlichen Erfahrungen asl Leistungssportler, erreichte er die Zuhörer, unter die sich auch "MM hoch 42" - Team gemischt hatte.
"Erwarten sie von mir keine Tipps, wie sie besser trainieren oder persönlich Zeiten verbessern können," stellt Wessinghage sofort klar: "Ich bin hier, um ihnen eine Rechtfertigung zu geben für das, was sie tun." Punkt, das saß. Was der Mediziner damit meinte, war recht einfach: "Sie bewegen sich, sie laufen, sie halten sich fit - sie leistendamit den wichtigsten beitrag. die eigene Lebenserwartung zu erhöhen."
Die Medizin habe in den letzten hundert Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. "Die durshcnittliche Lebenserwartung in Deutschland verlängert sich sich pro jahr rund 40 Tage", begann Wessinghage. " In erster Linie ist dies ein Verdienst von Wissenschaft und Forschung, die uns für fast alle Wehwehchen die nötigen Pillen und Mittelchen an die Hand gegeben haben." Dann fügte er hinzu: " Aber, das sit nicht alles. Schlaganfälle, Herzinfarkte, die stark zunehmende Neigung zu Übergewicht und damit zur Diabetes sind Faktoren, die in den meisten Fällen auf mangelnde Bewegung zurückzuführen sind.Erst recht, wenn sie von Risikofaktoren und Gewohnheiten wie Zigaretten, Alkohol oder Stress gefördert werden.
Imwarsten Sinn des Wortes "Schwarz auf Weiß" lieferte Wessinghage einen alles andere als appetitlichen Beleg: " Was sie hier sehen, ist eine Raucherlunge, " erklärte er mit Blick auf eine Lichtbildprojektion. War es Zufall oder schlechtes Gewissen eineiniger Zuhörer, dass just bei diesem Anblick manches Räuspern durch den Saal klang?
Nur ein Beispiel von vielen, die Wessinghage an diesem Abend präsentierte. " Es gilt als medizinisch erwiesen, dass drei Mal 40 Minuten Bewegung unter leicht erhöter Belastung der Anfang sind, die eigene Restlebenserwartung zu erhöhen."

zurück zur Übersicht