05.10.2006 | Mannheimer Morgen

Die Erwartungen steigen ­ aber Georg Hettich ist ein Kämpfertyp

SKI NORDISCH: Der Olympiasieger von Turin geht mit Selbstvertrauen in die neue Saison / WM-Medaillen als Ziel

In Turin wurde für Georg Hettich ein Traum wahr. Der 25-jährige nordische Kombinierer holte sich die ganze Palette an Edelmetall. Bild: dpa

Von unserem Mitarbeiter
Sebastian Müller
Georg Hettich ist entspannt. Geduldig und mit der ihm eigenen Natürlichkeit erfüllt
der 28-Jährige sämtliche Interview- und Autogrammwünsche anlässlich der Feier
zum 25-jährigen Bestehen von Engelhorn Sports, Mannheims größtem Sportmodehaus. Dabei hat der nordische Kombinierer eine turbulente Saison hinter und einen nicht weniger spannenden Winter vor sich. Denn nach dem Überraschungserfolg von Turin im Einzel, der durch die Silbermedaille mit der Mannschaft und Bronze im Sprint eindrucksvoll abgerundet wurde, steht der Schonacher jetzt verstärkt im Blickpunkt. Natürlich wird diese Saison
wohl die schwerste meiner Karriere sein. Mit Rückschlägen muss man immer rechnen, und dann wächst auch der Druck, ist sich Hettich bewusst. Angst, an den gestiegenen Erwartungen zu zerbrechen, hat er dennoch nicht: Auch wenn ich wie der nette Junge von nebenan wirke, ich bin ein Kämpfertyp, der nicht aufgibt, wenn es einmal gegen ihn läuft.
Selbstvertrauen zieht der geborene Furtwängler auch aus der Zusammenarbeit mit
dem eingespielten Kader um Bundestrainer Hermann Weinbuch. Mit Jens Gaiser
und Ronny Ackermann aus dem Silberteam von Turin gewann Hettich bereits bei der
Junioren-WM 1997 in Kanada Silber mit der Mannschaft. Probleme oder gar Machtkämpfe mit Ackermann, bislang das Aushängeschild der Kombinierer, befürchtet der als verlässlicher Mannschaftssportler geschätzte Hettich nicht: Natürlich sind wir alle unterschiedliche Typen, aber wir kennen uns schon so lange, das auch mein Olympiasieg nichts am Umgang geändert
hat. Die seit Jahren erfolgreichen Leistungen der Kombinierer führt Hettich vor allem auf die Arbeit seines Bundestrainers zurück. Weinbuch kenne alle Strukturen,
begreife seinen Sport als Gesamtheit und schaffe es so, den Nachwuchs schnell in den Profibereich zu integrieren. Ein Leben als Vollprofi kann sich Georg Hettich dennoch nicht vorstellen: Jeweils während des Sommers habe ich studiert und werde mich nach meinem Diplom im Fach Medical Engineering im nächsten Sommer weiterhin fortbilden. Das Studium ist ein schöner Ausgleich und eröffnet mir nach dem Leistungssport viele Möglichkeiten. Vorerst bis 2010 will sich der Schwarzwälder aber noch auf den Schanzen und Loipen dieser Welt verdingen. In wenigen Wochen beginnt die neue Saison, in der der Olympiasieger erneut hohe Ziele anstrebt. Mit der WM im japanischen Sapporo steht neben dem Weltcup ein weiterer Großwettkampf an, bei dem sich Hettich mit der Mannschaft und im Einzel eine Menge vorgenommen hat. Sapporo ist meine Lieblingsschanze. Hier möchte ich eine Medaille holen, dann wäre auch diese Saison eine sehr erfolgreiche für mich.
Das Erlebnis des Olympiasiegs wird freilich nur schwer zu übertreffen sein. Wenn ich die Bilder vom Zieleinlauf sehe, bekomme ich heute noch eine Gänsehaut. Das erleben zu dürfen, diese Emotionen, die da auf einen einstürmen, das war ein absoluter Traum. Vielleicht darf Georg Hettich diesen Traum ja bei Olympia 2010 in Vancouver weiterträumen.

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