05.10.2006 | Wochenblatt

Fit in die Saison

Georg Hettich, Nordischer Kombinierer

Zum 25. Geburtstag von engelhorn sports waren am vergangenen Samstag prominente Sportler zu Gast: Benni Raich aus Österreich, Olymiasieger im Slalom und Riesenslalom und Georg Hettich aus Schonach, Olympiasieger im Einzel der Nordischen Kombination. Die Helden der Olympischen Spiele von Turin schnitten die riesige Geburtstagstorte im Eingangsbereich des Sporthauses an und erfüllten geduldig die Autogrammwünsche der zahlreichen Fans und Besucher.
Während Raich schon seit vielen Jahren zu den Top-Stars der alpinen Rennszene zählt, rückte Hettich erst nach seinem Überraschungscoup von Turin in den Mittelpunkt des Medieninteresses.
Wochenblatt Redakteurin Petra Thienel unterhielt sich mit dem sympathischen Schwarzwälder.

???: Wie hat sich Ihr Leben seit dem Olympiasieg verändert?

Georg Hettich: Es hat sich insofern verändert, dass ich viel mehr zu tun habe als vorher. Wenn bisher die Saison im März vorbei war, war sie auch vorbei und ich konnte mich dann im Sommer um mein Studium kümmern.
Aber dieses Jahr hatte ich unheimlich viele Termine zu absolvieren. Nach der Saison war ich genauso viel unterwegs wie während der Saison. In meinem privaten Umfeld ist alles beim Alten geblieben.

???: Sie haben bestimmt auch Interesse bei neuen Sponsoren geweckt?

Georg Hettich: Ich hatte vorher schon Sponsoren, mit denen ich auch weiter zusammen arbeite. Allerdingshaben sich die Konditionen schon einwenig geändert.

???: Bis zu Ihrem Überraschungssieg in Turin war Ronnie Ackermann der unangefochtene Star im Team. Haben Sie die so genannte Hackordnung durcheinander gebracht?

Georg Hettich: Nein, wir kennen uns schon so lange und trainieren in einem Team, da ändert sich duch den Olympiasieg nichts Grundsätzliches an unserem Umgang miteinander. Jeder von uns hat seinen eigenen Charakter und Stil, ich bin ein komplett anderer Typ als Ronnie. Aber wir brauchen keine Rangliste aufzustellen, wer jetzt im Team auf Rang Eins oder Zwei ist.

???: Was ist das Faszinierende an der Nordischen Kombination?

Georg Hettich: Die Kombination besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Sportarten. Das Skispringen ist eine ganz diffizile Sache, man muss mit viel Feingefühl, Konzentration und Koordination arbeiten. Im Gegensatz dazu steht das Langlaufen, das Ausdauer und Kraft erfordert. Das Training ist so komplex, wenn man im Langlaufen viel trainiert wird man im Springen schlechter und umgekehrt, es ergänzt sich also nicht. Aber es macht unheimlich viel Spaß, diese Herausforderung anzunehmen. Wir können zwar bei den Skispringern nicht ganz mithalten, weil die leichter sind und mehr Sprungkraft haben und bei den Langläufern nicht, weil die mehr Kraft haben. Aber es gibt keine andere Sportart, die solch eine ausgeglichene Fitness erfordert wie die Nordische Kombination.

???: Im November startet der Weltcup-Zirkus im finnischen Kuusamo. Wie gut gerüstet gehen Sie in die Saison?

Georg Hettich: Die Vorbereitung hat eigentlich schlecht angefangen, ich hätte es mir anders gewünscht. Schon im Oktober 2005 hatte ich mir die Hand verletzt und habe den ganzen Winter über – einschließlich Olympia – mit einer gebrochenen Hand Wettkämpfe absolviert, ohne es zu wissen. Erst im Frühjahr war ich dann beim Arzt, der die Diagnose „Kahnbeinbruch“ stellte. Es folgten Operationen, sechs Wochen Gips und Nachbehandlung. Dadurch verlor ich zwei Monate Training, denn es kamen ja auch noch die vielen Termine hinzu und mein letztes Semester an der FH (Studium der Medizintechnik, Anm. der Redaktion).
Bis Juli lief das Training nur nebenher. Zum Glück konnte ich danach zwei Monate richtig gut trainieren. Ich bin gesund, die Hand ist in Ordnung und das Skispringen klappt auch. Jetzt bin ich wieder ganz zuversichtlich.

???: Das Material spielt in Ihrer Sportart eine wichtige Rolle. Haben Sie Ihren Skiern schon den Feinschliff verpasst?

Georg Hettich: Auch beim Material habe ich die selben Firmen behalten. Die Feinheiten bei den Sprungskiern sind abgestimmt, ich musste keinen Wechsel vornehmen. Ich denke, es passt.

???: Welche Ziele haben Sie sich für den kommenden Winter gesetzt?

Georg Hettich: Es wird schwer, solche Erfolge wie im letzten Winter zu toppen. Ich mache meine Ziele nicht an Zahlen fest, sondern will einfach gut vorbereitet in die Wettkämpfe gehen. Ich freue mich sehr auf die Weltmeisterschaft in Japan, die auf meiner Lieblingsschanze in Sapporo stattfindet. Mein Ziel ist, an diesem Tag sagen zu können: wenn heute alles klappt, kann ich eine Medaille gewinnen. Ob es dann klappt oder nicht, entscheidet sich an diesem Tag.

???: Wie gut kennen Sie Mannheim?

Georg Hettich: Nicht so gut, aber alle meine Freunde im Schwarzwald, denen ich erzählt habe, dass ich hierher fahre, kennen engelhorn sports und haben schon im Sporthaus eingekauft.

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