27.10.2006 | Mannheimer Morgen

Mannheim gewinnt den Kampf um die Kunden


Bei der Kaufkraftanalyse legt Quadratestadt zu stark zu / Umsatzeinbußen für Heidelberger Handel

Mannheim ist die Gewinnerin, Heidelberg die Verliererin beim Wettbewerb um die Kunden in der Region. Das ist ein Ergebnis der Kaufkraftanalyse, die im Auftrag der IHK Rhein-Neckar von den GfK-Marktforschern erstellt wurde. Mannheim hat 2005 seinen Vorsprung beim Einzelhandelsumsatz deutlich ausgebaut. Entsprechend gestiegen ist die Anziehungskraft auf das Umland. Heidelberg verzeichnete dagegen herbe Verluste.

Im Gesamtumsatz legte die Quadratestadt gegenüber 2003 um 4,2 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro zu, Heidelberg verlor 6,4 Prozent auf 926,6 Mio. Euro. Der Wettbewerb unter den Kommunen hat sich verschärft, denn der Kuchen ist kleiner geworden. Die Kaufkraft in der Region, also das, was von den Einkommen der Bürger f+ür den Einzelhandel übrig bleibt, ist um 0,7 Prozent auf knapp 5,9 Mrd. Euro gefallen. Zuwächse sind also nur möglich, indem sich die Städte untereinander Kunden abjagen.
Den optimalen Branchenmix und gute Parkmöglichkeiten sieht IHK-Experte Jörg Wagner als entscheidende Vorteile Mannheims. Heidelberg dagegen habe durch seine Bestrebungen, den Autoverkehr aus der Innenstadt herauszuholen, viele Kauffreudige vergrault. Darin ist sich Wagner einig mit Oliver Seifert, dem Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Nordbaden. Mannheim habe aber auch strategisch geschickt geplant, ist Wagner überzeugt. Die neuen Gewerbegebiete an den Einfallstraßen der Stadt, etwa das Fachmarktzentrum um Ikea in Sandhofen locke viele Käufer aus dem Umland. Außerdem, so Wagner, fehlen Heidelberg die Lebensmittelmärkte als Frequenzbringer in der Innenstadt. „Und um einen überregionalen Trendsetter wie Engelhorn beneiden sowieso viele Städte die Mannheimer“, verweist Seifert auf die Magnetwirkung der Modespezialisten.
Betrachtet man den Pro-Kopf-Umsatz der Städte der Region wird Mannheim aber von kleineren Kommunen wie Walldorf und Hockenheim abgehängt. Walldorf dürfte seine Spitzenposition neben dem Ikea-Markt nach Wagners Einschätzung den vielen ausgabefreudigen Gutverdienern des Walldorfer Arbeitgebers, der SAP, verdanken. Hockenheim wiederum habe massiv von den Formel-1-Rennen am Hockenheimring profitiert. 3 Mio. Euro gaben die Renn-Fans jedes Jahr während des dreitägigen Ereignisses aus – und lieferten Hockenheim damit einen echten Kaufkraft-Turbo.
Bei der Kaufkraftanalyse fehlen die südhessischen Städte und Ludwigshafen. Im kommenden Jahr soll es aber eine Analyse für die ganze Metropolregion geben.

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