01.02.2007 | Scala

Über Mannheims Dächern

Für Manfred Bantle ist es mit der Ruhe erst mal vorbei. Der ehemalige Betreiber des “Kopenhagen” hatte sich schon auf seinen Ruhestand vorbereitet, als ihm die Führung des in der obersten Etage des neuen Engelhorn-Hauses beheimateten Le Corange angeboten wurde.

Nur wenige Akzente in warmem Rot unterbrechen hier die auf eleganten Grautönen basierende Gestaltung des Architekturbüro Blocher Blocher Partners, das sich auch die gelungene Schlossrenovierung auf die Fahne schreiben darf. Vom Konzept des Restaurants mit seiner ganzjährig geöffneten Terrasse war Bantle dann auch auf der Stelle begeistert: “Das ist eine so außergewöhnliche Herausforderung – das muss man einfach machen!” Während man in der Bar in der 5. Etage den Tag mit einem Frühstück beginnen und abends bei einem Cocktail ausklingen lassen kann, hat man ein Stockwerk höher die Gelegenheit, den beiden Küchenchefs Andreas Löffler und Manfred Bantle im offenen Kochbereich hinter den Tresen über die Schulter schauen.

Statt die Philosophie des “Kopenhagen” unverändert auf das Le Corange zu übertragen, setzt Bantle in dem Nichtraucher-Restaurant auf kleinere, kürzere Tellergerichte sowie eine naturbelassene und leichte Küche. Neben saisonalen und klassischen Speisen stehen auch hier Fischgerichte im Mittelpunkt. Etwa alle zwei bis drei Tage wird die Karte inklusive der Desserts komplett ausgetauscht. Auch der Mittagstisch bzw. das Abendmenü wird regelmäßig gewechselt: Für 29.– Euro bekommt man zum Beispiel einen lauwarmen Meeresfrüchtesalat mit Rucola, geschmorten Tafelspitz mit jungem Wirsing und Maronenpüree sowie einer Birne mit Valrhona-Eis und Lebkuchenmousse.

Wir begannen mit einer dezenten, klaren Hummersuppe mit drei Fischen und geröstetem Knoblauchbrot (EUR 8.50), gefolgt von gegrillten Scampi mit aromatischen Steinpilzspaghetti (EUR16.50). Die Kombination aus gebratenen Jakobsmuscheln und zartem, aber bissfesten Tintenfisch kam auf einer mediterran mit Estragon, Kerbel und Basilikum abgerundeten Olivensauce mit getrockneten Tomaten, Paprikastreifen und weißen Bohnen, (EUR24.–). “Wir arbeiten viel auf Olivenölbasis mit frischen Kräutern und Gemüse. Keine schweren Sahne- oder Buttersaucen, kein unnötiges Chichi”, erklärt Manfred Bantle die Philosophie des “Le Corange”. Als zweites Hauptgericht entschieden wir uns für sautierte Kalbsnieren und Bries mit breiten Nudeln – solide, schnörkellos und für empfindliche Gaumen vielleicht ein wenig zu kräftig (EUR22.–). Einen Überblick über das Nachtischangebot gab uns dann der Dessertteller “Le Corange”, eine Zusammenstellung aus geeistem Cappuccino, marmoriertem Valrhona-Schokoladeneis, Himbeer-, Lebkuchen- und Nougatmousse. Bleibt eigentlich nur noch eines zu erwähnen: Der wunderbare Blick über die Dächer Mannheims bis zum Odenwald …

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