17.05.2007 | Textilwirtschaft

Richard Engelhorn, Mannheim

In Mannheim nennt man ihn einfach Richard. Er ist in dieser Stadt nicht nur ein bekannter Mann, sondern ein Original. Seit 1968 führt Richard Engelhorn zuerst zusammen mit seinem Vater, seinem Bruder und seinem
Cousin, später in leitender Position, das gleichnamige Unternehmen an den Planken in Mannheim durch die Höhen und Tiefen des lokalen Einzelhandels. Seine Zielstrebigkeit, seine Direktheit und sein verschmitzter Charme haben ihn selbst zur Marke gemacht. Der Februar 2007 markiert einen neuen Höhepunkt in der Entwicklung eines der bekanntesten deutschen Modehäuser. Engelhorn hat immer Maßstäbe gesetzt. Der neue Maßstab heißt Individualisierung gegen Massenabfertigung. Ein Haus für Persönlichkeiten, profiliert durch eine
der großen Persönlichkeiten im deutschen Modehandel. In der Tradition seines Großvaters Georg, der das Modehaus mit seinem Partner Adam Sturm 1890 auf den Planken gründete, aber auch mit innovativer Kraft und
visionären Ideen streitet Richard Engelhorn für die Entwicklung des Familienunternehmens, aber auch für die Einkaufsstadt Mannheim. Er engagiert sich in vielen Gremien nicht nur für seinen Berufsstand, sondern auch beim Stadtmarketing. Er ist Mit-Initiator des Initiativ-Preises für die Förderung des Ansehens der Stadt als Kultur- und Wirtschaftsmetropole. Bei hauseigenen Events kann man Richard Engelhorn dort erleben, wo er sich am wohlsten fühlt und wo sein kaufmännisches Herzblut pulsiert: Ganz nah bei den Kunden, ganz nah bei den Bürgern einer Stadt, deren Wachstum in symbiotischer Beziehung zu dem Unternehmen steht, das sie immer wieder anzieht. Richard Engelhorn und seine Familie haben Mannheim zu einem einzigartigen Zentrum der Rhein-Neckar-Region gemacht.
Dieser Frühling war der Frühling von Mannheim. Die Stadt feiert in diesem Sommer ihren 400. Geburtstag. Aufrüstung und Verschönerung an allen Ecken und Kanten. Das ehemalige Residenzschloss des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, lange Jahre nur ein schäbiges Unigelände, zeigt sich endlich wieder im alten Glanz. Neue Museen. Neue Straßen, neue Häuser. Ein neues Selbstwertgefühl. Mannheim kreiert sich zum Herzen einer großen Metropolregion Rhein-Neckar. Mannheim, das ist mit seinen 320 000 Einwohnern eine Arbeiterstadt mit hohem Ausländeranteil. Und doch ist es eine erstaunliche Stadt. Die Stadt eines aufgeklärten Kurfürsten, eine Stadt der Vernunft und Rationalität, auf dem Reißbrett entstanden. Eine Stadt des Handels und der Industrie, reich an Kaufkraft und mit
hoher Zentralität. Nur so ist zu erklären, dass diese Stadt ein Ort von hoher einzelhändlerischer Anziehungskraft ist. Zeitgleich zum 400. Geburtstag gab es in diesem Frühjahr zwei bombastische Eröffnungen. Der Filialist Peek & Cloppenburg, seit 1969 in der Stadt, baute ein 14 000 m² großes Haus mit dem berühmten amerikanischen Architekten Richard Meier. Nachbar Engelhorn, seit 1890 eng mit der Stadt verwoben, erweiterte
und profilierte sein Stammhaus und baute „Acc/es“, ein neues spektakuläres Haus, konzentriert auf das große und spannende Wachstumsfeld der Accessoires. P&C ist das kühne Architektur-Monument eines weltberühmten Architekten. Engelhorn ist der alteingesessene Platzhirsch, der Traditionalist, der beständig Modernität entwickelt und
mit Events wirbelt. Nicht nur bei P&C gibt es mit Richard Meier einen Richard, auch bei Engelhorn. Der Richard bei Engelhorn ist eine der
bekanntesten Figuren der Stadt. Der Name Engelhorn ist ein mit Mannheim eng verzahnter Name. Es gibt drei Familienstämme, einer ist
verbunden mit der BASF, der zweite mit Böhringer Ingelheim. Der dritte ist der Handelszweig.
1890 gründete Richards Großvater, der Kaufmann Georg Engelhorn mit dem Schneidermeister Adam Sturm ein Handelshaus. Witzigerweise startete Richard Engelhorn (Jahrgang 1938) seine Ausbildung bei P&C in Frankfurt und war dann bei P & C in Hamburg. Irgendwann hat er auch damit geliebäugelt, sich als Konfektionär selbständig zu machen. Das hat
aber nicht geklappt und so ist der junge Mann, 30 Jahre alt, 1968 ins Familienunternehmen eingetreten, und zwar zeitgleich mit seinem Bruder
Hans und mit seinem Vetter Peter Engelhorn. Der Bruder kümmerte sich mit dem Vater um die DOB, Peter machte die HAKA. „Für mich“,
sagt Richard, „blieb damals nur der Bereich Organisation. Scheinbar trocken. In Wirklichkeithatte ich den besten Überblick über das Unternehmen.“ Er saß in der Herzkammer des Hauses. Und
da sitzt er heute noch. Irgendwann hat sich der Bruder zurückgezogen. Richard hat zuerst die DOB, dann die KOB übernommen, hat aber
fremde Leute gesucht. „Ich habe mit familienfremden Einkäufern den Einkauf professionalisiert.“ Und das ist bis heute so geblieben. Das
Unternehmen mit seinen 1350 Mitarbeitern und mit einem Umsatz von rund 160 Mill. Euro wird heute von drei Mitgliedern der Familie
geführt. Richards Sohn Fabian kümmert sich um Sporthaus, Trendhaus, Wäschehaus und die Geschäfte im EKZ Viernheim. Andreas Hilgenstock, Neffe von Peter, ist zuständig für das große Modehaus. Ja, und was macht denn eigentlich der Senior Richard? Tja, wenn man das so genau definieren könnte. Er ist wahrscheinlich, was er selber nie so sagen würde, der Patriarch, der Vater, die Seele des Geschäftes. Eben: der menschliche Faktor. Da fallen Vokabeln wie Konzept und Strategie. Umgang mit den Banken. Gespräche mit den Führungskräften. Und dann fällt auch der kuriose Satz: „Wissen Sie, wir sind eigentlich eine Immobiliengesellschaft
mit angehängtem Einzelhandel. Wir haben immer langfristig und auf Vorrat gedacht und in Immobilien investiert.“ Engelhorn: „Mannheim ist so überschaubar, dass man sich als Bürger einbringen kann. Parteipolitisch war ich nie tätig. Ich hatte Ämter in der IHK und bei diversen Vereinen.“ Einer dieser feinen kleinen Vereine ist der „Montagsclub“. Da sitzen 30 Leute aus Handel, Industrie und Banken. Da, sagt er, werden Dinge angestoßen und bewegt. Und seine anderen Netzwerke?
Die finden sich in der Universität, beim Nationaltheater, im neuen Reissmuseum. Und weil „Die Räuber“ von Schiller bekanntlich im Nationaltheater in Mannheim uraufgeführt wurden, gibt es in der Stadt eine Männerloge namens „Räuberhöhle“. Da finden sich Schauspieler,
Künstler, Gewerbetreibende. Richard ist dabei. Engelhorn ist ein Familienunternehmen. Einzigartig im deutschen Handel. Ein Haus flacher
Hierarchien. Berühmt für seine Nachwuchsförderung, für sein Sortiment und für den Umgang mit den Kunden. Eine Kaderschmiede der Nation. Ein großer Platzhirsch in einer mittleren Großstadt. Individuell und menschlich. Und Richard Engelhorn? „Ich bin hier seit 40 Jahren. Ich bin hier einfach die Vaterfigur.“ .

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