24.05.2007 | Mannheimer Morgen

Handel denkt an Dienstleistungs-Donnerstage

Andreas Hilgenstock, Geschäftsführer von Engelhorn, fordert mehr Kreativität
Keine Verlängerung, aber dafür einheitliche und verlässliche Öffnungszeiten im
Einzelhandel ­ das wünschen sich zumindest die Mannheimer. Wir sprachen mit
Andreas Hilgenstock, dem Geschäftsführenden Gesellschafter von Engelhorn, über das Dauerthema in der City. Herr Hilgenstock, das Votum in unserem Bürgerbarometer ist eindeutig. Was leiten Sie als Handelsprofi daraus ab?
ANDREAS HILGENSTOCK: Ich glaube, dass wir mit der freiwilligen Einigung auf
Kernöffnungszeiten von 10 bis 20 Uhr eine verlässliche und vernünftige Regelung gefunden haben. Diese Verlässlichkeit ist auch für die Attraktivität der Einkaufsstadt Mannheim unverzichtbar. Insofern freue ich mich über das Votum unserer Kunden.Verlässlichkeit und Einheitlichkeit ist gleich Attraktivität, dieser Formel stimmt wohl die deutliche Mehrheit zu. Dennoch halten sich bei Weitem nicht alle Händler in der City an die 10-bis-20-Uhr-Formel.
HILGENSTOCK: Ich finde es auf jeden Fall wichtig, dass sich noch mehr mittlere und kleine Geschäfte, gerade in den guten Lagen, dieser Regelung anschließen. Schließlich sorgen sie mit guten Geschäftsideen für Vielfalt und Emotionalität in der Einzelhandelslandschaft. Sie dürfen beim abendlichen Einkaufsbummel nicht fehlen.Können Sie sich in absehbarer Zeit eine weitere Verlagerung der Ladenöffnungen auf den Abend hin vorstellen?
HILGENSTOCK: Eine weitere Verlängerung wäre zurzeit für zahlreiche Geschäfte gar nicht machbar und würde schon von daher dafür sorgen, dass wir mehr von der Kernzeit abrücken. Wichtig ist die Beratungsqualität, die gerade in den Abendstunden aufrecht erhalten werden muss, um dem Kunden ein rundum gelungenes Einkaufserlebnis zu vermitteln.Jetzt mal Hand aufs Herz: mehr offene Sonntage oder mehr lange Samstage?
HILGENSTOCK: Beides hat eine Sonderstellung, daher geht es meines Erachtens nicht um mehr oder weniger, sondern um Qualität. Klang der Quadrate, Marktmeile, Weihnachtsmarkt-Eröffnung oder die Reiter-EM sind tolle Veranstaltungen, deren Attraktivität durchSondereröffnungen der Geschäfte unterstrichen wird, deren Themen wir in die Läden transportieren können ­ die kurzum ein Bekenntnis zu unserer Dachmarke Mannheim ermöglichen. Im Übrigen halte ich persönlich zwei offene Sonntage für völlig ausreichend.
Und ich glaube auch nicht, dass wir es nötig haben, uns mit mehr Sonntagsverkäufen gegenüber anderen ­ meist kleineren ­ Städten zu profilieren.Und wie ist es mit dem langen Samstag?
HILGENSTOCK: Der eine oder andere lange Samstag kann viel beliebter werden bei unseren Kunden. Hier haben wir gute Erfahrungen gesammelt. Die Kunden sind ja schon in der Stadt und können nach einem erlebnisreichen Einkaufsabend am folgenden Sonntag die zahlreichen kulturellen Angebote unserer Stadt genießen. Grundsätzlich müssen wir Sonderöffnungen ideenreich und flexibel organisieren, und warum sollten das nicht auch mal Donnerstage oder Freitage sein? Nur dann wird es gelingen, daraus ein positives Einkaufserlebnis für Kunden zu machen.

Zur Person
A. Hilgenstock
Andreas Hilgenstock, ein Großneffe von Richard Engelhorn, ist in Bochum geboren und in Dortmund aufgewachsen. Nach einer Banklehre und dem Studium der Philosophie und
Wirtschaftswissenschaften (Abschluss Magister) machte er an der Textilfachschule Nagold seinen Textilbetriebswirt. Bei Breuninger lernte er das Geschäft, er stieg dort auf zum Geschäftsführer. 2003 trat er als Geschäftsführender Gesellschafter bei Engelhorn ein. Hilgenstock, ein Familienmensch, ist verheiratet, mit seiner Frau Roswitha hat er zwei Kinder, Julius (6) und Marlene (10). Mit ihnen verbringt er seine freie Zeit, wenn er nicht gerade über die Höhenzüge des Odenwalds läuft.

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