05.10.2009 | Die Rheinpfalz

Größen mit Licht und Schatten

Fotoausstellung "Am Fuße der Akropolis" in Mannheim - Eröffnung mit Gudrun Landgrebe und Hansgünther Heyme

Parallel zur Ausstellung „Alexander der Große“ in den Reiss-Engelhorn-Museen ist bei Engelhorn Mode im Quadrat bis 31. Oktober eine Auswahl historischer Fotografien der Akropolis zu sehen. Zur Eröffnung der atmosphärisch sehr eigenen Schau lasen die Schauspielerin Gudrun Landgrebe und der Ludwigshafener Intendant Hansgünther Heyme
eine Textcollage zum Mythos Alexander, die, wie die Fotografien, aus den Reiss-Engelhorn-Museen stammt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Akropolis das Sehnsuchtsziel bürgerlicher Bildungsreisender. An ihrem Fuß entstanden bald Ateliers der neuen Lichtbildkunst, die sich zu einem florierenden Geschäft entwickelte. Auch die Geschwister Reiss kauften hier Fotografien. Diese kamen mit vielen weiteren, die sie von ihren Reisen mitgebracht hatten, in den Bestand des Forums Internationale Fotografie der Reiss-Engelhorn-Museen. In Mappen verwahrt, ruhten sie dort über ein Jahrhundert nahezu unberührt. So blieben sie in vorzüglichem Zustand. Um diesen nicht zu gefährden, werden bei dieser allerersten Präsentation nicht die Originale, sondern Digitalprints gezeigt.

Die Fotografie musste sich in jener frühen Zeit – die gezeigten Arbeiten entstanden um 1889 – auf unbewegte Motive beschränken, weil die langen Öffnungszeiten der hölzernen Kamerakästen zu Unschärfe geführt hätten. Besonders gute Resultate erzielte man mit weiten Landschaften und Architektur bei sehr hellem Tageslicht. Ruinen unter südlichem
Himmel waren ideal und bei den betuchten Touristen heiß begehrt. So entstand eine Reisefotografie, die herausragende Talente hervorbrachte. Das Statuarische des Gegenstands und die bräunliche Tonalität wecken
im heutigen Betrachter nostalgische Gefühle. Man bewundert die bemerkenswerte Schärfe, die edle Gewichtung von Licht und Schatten sowie eine ästhetische Komposition, die sich dem gut gewählten Blickwinkel verdankt. Der Ist-Zustand jedes vor mehr als hundert Jahren im Foto festgehaltenen Bauwerks wird von einer knappen Dokumentation und einem Zitat aus der Reiseliteratur ergänzt. Höhepunkt der Ausstellung ist ein zwei Meter langes Panoramabild, das die Akropolis in der Mitte der sie umgebenden Hügel zeigt. Es wurde von Hand genau so hergestellt wie es heute der Computer macht, nämlich durch nahtlose Aneinanderreihung mehrerer Einzelfotos. Der Mythos Alexander begann, von ihm selbst absichtsvoll beflügelt, schon zu dessen Lebzeiten.

Zwei Wissenschaftlerinnen der Reiss-Engelhorn-Museen, Alexandra Berend und Ellen Kühnelt, haben Zitate aus der Geschichtsliteratur mit einem eigenen, Alexander persönlich in den Mund gelegten Text verknüpft. Jene zeichnen eine Größe an Willen, Tatkraft, Erfolgen (körperlich war er mit 1,60 Meter ziemlich klein). Erst in jüngerer Zeit wird der Blick kritischer, richtet sich auf die vielen Toten, die Alexanders Größe gekostet hat, und auf „kleine“ Charakterzüge, wie Überheblichkeit, Trunksucht, Launen und Jähzorn. Mit markiger Stimme ließ Hansgünther Heyme Alexander aus dem Jenseits sprechen. Der Heros, der sich für einen Gott hielt, ist dort bescheidener geworden. Er verteidigt sich schwach für den Tod, den er brachte, rühmt sich nicht sonderlich seiner Taten und hält sich von der Nachwelt für überbewertet. Gudrun Landgrebe las die Zitate; die berühmten aus der Antike, die mit ihren Geschichten über Alexander dessen Mythos begründet haben, und neuere kritischere Stimmen. Die beiden saßen wie auf einer Guckkasten-Bühne mit dem malerischen Fries der alten Fotografien im Hintergrund. Weil aber die zahlreiche Hörerschar zwischen Kleiderständern gedrängt stehen musste, hatten sie es nicht leicht, die Hintersten zu erreichen.

[[DisplayVideoPlayer?filename=200910_vip.flv&title=Lesung zu: Am Fuße der Akropolis - Das Licht Hellas]]

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