05.10.2009 | Mannheimer Morgen

Erotik der Worte einer sinnlichen Frau

Interview: Gudrun Landgrebe vor ihrer Lesung im Gespräch über Älterwerden, Freunde, zu freizügige Kinoszenen – und ihre Kochleidenschaft

Mattglänzendes Satin-Jackett über grau meliertem Top, schwarze Hose, schlichte Ohrstecker, die leicht gewellten, schulterlangen Locken zurückgesteckt – an dieser zierlichen Frau ist nichts schrill, nichts zu laut. Und auch wenn sie im kommenden Jahr 60 wird: Gudrun Landgrebe ist schön, erotisch – und „irgendwie edel“, wie eine Zuhörerin durchaus treffend ihrer Sitznachbarin zuflüstert. Doch bevor die Grand Dame des Films im Modehaus engelhorn wohlklingend und warm ihre Stimme für eine literarische Soiree über Alexander den Großen erklingen lässt, spricht sie beim Interview über die schillernde Figur des Welteroberers, über Erotik, ihre Kochleidenschaft und über das Älterwerden – im Film und im wahren Leben.
Konzentriert, die türkisblauen Augen wachsam auf ihr Gegenüber gerichtet, wägt sie ihre Worte ab, zögert auch mal einen Moment lang, bevor sie präzise antwortet. Sie soll einmal gesagt haben, dass es gelogen wäre, wenn sie behauptete, das Älterwerden würde ihr nichts ausmachen. „Vor allem finde ich, dass das Leben lebenswert ist, so lange man gesund ist, arbeiten kann, Freude und einen Freundeskreis hat.“ Der müsse sich auch keineswegs aus Berühmtheiten zusammensetzen. Das gelte auch für ihre Freunde aus der Quadratestadt: „Ich erinnere mich an wunderschöne Stunden mit ihnen im sonnendurchfluteten Luisenpark. Und beim Essen.“ Beim
Edelitaliener? „Nein, bei unseren Bekannten. Sie ist Mannheimerin und die beste Köchin der Welt.“
Zurück zum „Jugendwahn“: „Ja, den pflegen wir immer noch sehr.“ Aber es gebe inzwischen sehr gute Filme über Menschen jenseits der 50, „Männer und Frauen“. Den Kinofilm „Wolke 9“ mit seinen freizügigen Bildern von zwei verliebten Rentnern zählt sie nicht dazu. „Da gibt’s für mich persönliche Grenzen, dazu bin ich zu sehr Ästhet.“ Überhaupt müsse man nicht immer alles auf der Leinwand zeigen. Erotik, das seien für sie auch „Blicke, Worte, Berührungen.“

Dass die Landgrebe eine Meisterin in der Darstellung einer vielschichtigen, geheimnisvollen Sinnlichkeit ist, das hat sie bereits in unzähligen Charakterrollen bewiesen. Und auch mit 59 mangelt es nicht an spannenden Angeboten. Wie beispielsweise der Part einer Nazi-Gattin in dem Film „Jud Süß“, der vermutlich nächstes Jahr in die deutschen Kinos kommt. Oder die Lesung in Mannheim, die ihr die Möglichkeit gab, sich intensiv mit der Figur des Kriegsherrn zu befassen. Widersprüchlich sei es, ihr Alexander-Bild. Einerseits der charismatische, faszinierende Mensch, andererseits der Unterwerfer eines unermesslich großen Reichs. „Das war ja kein demokratischer Vorgang.“ Bei ihrer Vorbereitung für die Lesung habe sich ihr die Assoziation aufgedrängt: „Heute Makedonien, morgen der Rest der Welt. Das versetzt uns nach 1945 einen Stich, lässt uns schaudern.“

„Flambierte Frau“ am Herd
Vollgepackte Drehtage, Fernsehauftritte, Reisen: Was lässt die Wahl-Berlinerin entspannen? „Oh, da habe ich etwas Wunderbares entdeckt.“ Klar, jeden Morgen 20 Minuten auf dem Cross-Trainer und Yoga sind für sie ein Muss. Schließlich will sie ihre schlanke Figur samt Kleidergröße 34 behalten. „Das ist mir wichtig. Aber eine Thaimassage, am besten 90 Minuten, ist einfach herrlich.“ „Sehr, sehr gerne“ steht die Darstellerin, der 1983 mit van Ackerens „Die flambierte Frau“ der internationale Durchbruch gelang, am Herd. Gerade habe sie sich aus einem Magazin ein Rezept aufgeschrieben. „Das werde ich am Wochenende umsetzen. Und meinen Mann damit erfreuen.“ Als Basis gibt’s Gnocchi. Etwa selbst gemacht? Die Landgrebe lächelt nur: „Das ist nicht schwer.“ Dazu reicht sie eine Hummersoße: Krustentierfond und Wein reduzieren, Butter mit dem Mixer drunterheben, „also wirklich, ganz einfach“. Ja, vielleicht – aber auf jeden Fall auch irgendwie edel.

Biografisches zu Gudrun Landgrebe

* Gudrun Landgrebe wurde am 20. Juni 1950 in Göttingen geboren und wuchs in Bochum auf. Von 1968 bis 1971 besuchte sie die Schule des Theaters in Köln. 1971 gab sie ihr Bühnendebüt in Bielefeld, anschließend war sie u.a. in Bruchsal, Pforzheim und Dortmund engagiert.
* 1981 erhielt sie ihre erste Kinohauptrolle in der Komödie „Dabbel Trabbel“. 1983 gelang ihr durch die Darstellung der Edelhure Eva in Robert van Ackerens „Die flambierte Frau“ der internationale Durchbruch. 1992 engagierte sie Hansgünther Heyme als Hauptdarstellerin für „Tochter der Luft“ im Essener Theater.
*Gudrun Landgrebe ist seit 2001 mit dem Arzt Dr. Ulrich von Nathusius verheiratet, den sie 1983 während der Dreharbeiten zu der Hunsrücksaga „Heimat – Eine deutsche Chronik“ kennenlernte. Meist lebt das Paar in
Berlin-Charlottenburg.
* Aktueller Film: „Jud Süß“ unter Oskar Roehler. Am 25. Oktober liest sie im Theater im Pfalzbau in Ludwigshafen
Büchners „Lenz“.

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