17.12.2010 | Mannheimer Morgen

Holzschlitten – heiß begehrte Mangelware

Handel: In der ganzen Stadt suchen Kunden umsonst nach dem klassischen Davos-Gefährt / Rodler müssen auf Plastikbobs oder Snow Glider umsteigen

Lilly und Maya strahlen. Fürs Foto dürfen sie sich auf einen Riesenbob setzen – so wie die ganz Großen. Doch die Freude wird nicht von langer Dauer sein. In ganz Mannheim gibt es keinen passenden Holzschlitten mehr für die süßen Zwerge. Der klassische Davos-Flitzer ist restlos ausverkauft. Lilly und Maya gehen leer aus, so wie viele Kunden, die sich gestern verzweifelt auf die Suche nach dem winterlichen Dauerbrenner machten.

Doppelt so viel wie 2009
Anfang November fühlte man sich im Untergeschoss von Engelhorn Sports noch bestens aufgestellt. 150 Schlitten standen in Reih’ und Glied – doppelt so viele wie in den Jahren zuvor. Doch mit dem ersten Schnee schmolz der Optimismus. „Das war an einem Montag“, erinnert sich Manfred Krasko, Abteilungsleiter alpine Hartware, noch genau, „da fing der Ansturm an.“ Innerhalb von wenigen Tagen war die Ausstellungsfläche leer gefegt. „Die Frage ist also nicht: Wie viele haben wir verkauft, sondern: Wie viele hätten wir verkaufen können?“, betont der Fachmann und gibt sich selbst die Antwort: „Mindestens 500.“ Und gerade in diesem Moment hätte wieder einer über die Ladentheke gehen können. Hermann Wagner kommt gestern als einer der ersten Kunden reingeschneit, zielstrebig steuert er das Untergeschoss an, ahnt beim Anblick der einsamen Plastikbobs, was los ist. „Ich war schon überall“, winkt er ab: „Keine Chance.“ Auch bei Galeria Kaufhof am Paradeplatz suchen Kunden vergeblich nach Holzschlitten. Mindestens vier bis fünf Anfragen täglich, zählt ein Mitarbeiter. Aber Geschäftsführer Hendrik Hoffmann gibt Anlass zur Hoffnung: „Eine Lieferung steht noch aus. Wir rechnen täglich mit neuer Ware.“ Wer sich also in den kommenden Tagen aufmacht ins vierte, ins höchste Stockwerk des Hauses, hat gute Chancen, mit Schlitten wieder runter zu kommen. Schon Anfang November standen im Marktkauf alle Zeichen auf Wintereinbruch. Im samstäglichen Prospekt warb das Unternehmen mit einem Angebot, pries den Davos-Einsitzer für 39,99 Euro an. 80 kamen innerhalb einer Woche an den Mann. „Die Nachfrage war enorm hoch“, bestätigt Antonio Rossolina, stellvertretender Teamleiter. Also bestellte er noch mal 100 Stück – doch „ Unsere Lieferanten kamen nicht mehr nach“, berichtet er, er musste sich mit zehn Nachzüglern zufriedengeben. Vor ein paar Tagen kamen nocheinmal fünf, übriggeblieben ist ein einziger – aber das war gestern Morgen. Am Abend vermeldet Marktkauf: Holzschlitten ausverkauft! Aber bei Baby Walz in der Innenstadt, da müsste es doch noch einen geben, zumindest eine Bestellung sollte doch drin sein. Nix da! Auch hier müssen täglich verzweifelte Eltern nach Hause geschickt werden. Man versuche zwar unter Hochdruck, für Nachschub zu sorgen, heißt es aus der Zentrale, bis jetzt aber ohne Erfolg. Auch beim Bauhaus oder bei Mannheims kleinen Spielwarenläden, bei den Geheimadressen erfahrener Eltern – überall
dasselbe Problem. Rodelspaß hat zumindest im Moment nur derjenige,
der auf Plastik setzt.

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