Schnell entschieden – die Zeit tickt beim Geschenke-Kauf
Einkaufsreportage: Auf der Suche nach Last-Minute-Ideen durch die volle Innenstadt
Anderthalb Tage – allen, die es vergessen oder verdrängt haben, sei an dieser Stelle noch mal gesagt: Nur noch heute und Samstagvormittag bleiben für den Geschenk-Schlussspurt. Für manch einen, der sich nun wieder ins Gedränge und Gewühle stürzt, vielleicht etwas knapp. Immerhin: Die Entschlusskraft beim Kunden wachse jetzt stündlich, wissen Händler. Die sind vorbereitet, selbst im größten Stress mit den Zögerlichen und Zauderern, den Ahnungs-und den Ratlosen – ihre Weihnachts-Devise heißt: Gute Geschenktipps geben. Und lächeln. Womit wir mitten im Thema sind: Na, wie wär’s mit einem Lächeln? So als gute Gabe zum Fest, Herr Jendritschek? Der sucht wie wir gerade unterm Glasdach vor Engelhorn Schutz vor dem fiesen Dauerregen und wirkt noch etwas unentschlossen: „Warum nicht, das muss man wenigstens nicht auch noch verpacken. Oder ich schenk meiner Frau einfach mein vollstes Vertrauen.“ Der Mann hat Humor – und den braucht Reimund Jendritschek auch. Denn sonst hat er noch nichts: „Das passiert mir jedes Jahr. Ich nehm’ mir vor, alles rechtzeitig zu besorgen, und dann renn’ ich doch wieder in der Stadt rum, bei Nieselregen und mit den ganzen anderen Typen, die auch alle noch krampfhaft nach was gucken.“
Daniel Schmiedel könnte da weiterhelfen, ihn treffen wir im fünften OG von Engelhorn Sports, wo er uns von seinem beschleunigten Tagesablauf berichtet: „Alles muss schnell gehen, wer jetzt noch kommt, der will nicht lange suchen.“ Er jedenfalls hätte was für Geschenke suchende Herren: „Mütze, Handschuhe, Schal, farblich abgestimmt, zum Beispiel in Cashmere.“ Unentschlossenen Damen empfiehlt er einen Klassiker: „Fleece-Pulli für Ihn, und da dann ruhig ’ne lebhafte Farbe nehmen, Grün oder ein kraftvolles Rot“. Oder Blau und Weiß: Kathrin, die wir mit ihrer Freundin Jana vor Zero auf den Planen treffen, ahnt längst, was ihr Freund sich wünscht: „Kaufen tu’ ich’s aber erst heute.“ Jetzt sei nämlich erstmal Schluss mit Schule, und man finde als vielbeschäftigte Schülerin nun Zeit. Ihr Allerliebster, das verrät sie uns schon mal, bekommt ein Adler-Trikot – bestimmt, weil ihm ihr Herz zufliegt. Mit Herzen kennt sich Alexander Troncone aus, vor allem, wenn sie aus Gold sind. Der Juwelier muss uns allerdings bei unserer Recherche nach abgehetzten Last-Minute-Kunden enttäuschen: „Locker, angenehm, spontan“, er jedenfalls möchte die Woche vor Weihnachten zur „Woche der Schnell-Entschlossenen“ ausrufen. Die wenigsten brauchen jetzt viel Beratung, selbst Männer kommen mit klaren Vorstellungen: „Es ist nicht mehr wie früher, so nach dem Motto ,Ich brauch’ was für die Frau’, nein, die haben sich Mühe gemacht und kennen oft sogar Ringgrößen.“ Das wäre denn auch sein Tipp: „Ein Solitär in Weißgold – wird garantiert nicht umgetauscht.“
Große Klassiker
Es regnet wieder stärker, Gina Bader zieht ihre pelzumrandete Kapuze tiefer in die Stirn, doch, doch, wir dürfen mal urz stören: „Kä Problem.“ Geschenke? „Alles längschd erledischt.“ Alles bis auf eins, um korrekt zu sein: „Ja, fer mei Freundin, die kriegt ä Waffeleise, weil mer’s grad neilisch driwwer g’habt hawwe.“ Das wäre jetzt nicht unbedingt der erste Tipp von Christian Lüdtke vom Kaufhof P1 gewesen, als wir ihn nach einer netten Idee für Onkel Manfred fragen. Der Experte empfiehlt da eher eine Business-Tasche: Klare Formen, Leder, solide – etwas für jeden Mann.“ Warum nicht, kann man mal drüber nachdenken. Schließlich ist ja noch fast ein Tag Zeit bis zur Bescherung.