21.07.2012 | Mannheimer Morgen

„Verbraucher legen viel Wert auf Rabattaktionen

Sommerschlussverkauf: Vor allem Modehändler setzen regelmäßig den Rotstift an / Schuldenkrise trübt Kauflaune nicht

MANNHEIM. Er ist da, obwohl es ihn eigentlich gar nicht mehr gibt: der Sommerschlussverkauf. Durch ihn finden Verbraucher in diesen Tagen günstige Bermudas, T-Shirts, Badehosen und Flip-Flops. Es sei vielfältige Ware im Angebot, sagt Thomas Pelz, bei Engelhorn in Mannheim verantwortlich für Mode. Die Unternehmen machen sich bereit oder sind es längst. An den Schaufenstern wimmelt es nur so von roten Prozentzeichen. Der Einzelhandelsverband Nordbaden berichtet von einer wichtigen Zeit für Einzelhändler, den Umsatz zu steigern. Durch das schlechte Wetter hätten die Leute bislang nicht viel Sommerware gekauft, sagt Geschäftsführer Oliver Seifert. Auf die Teilnahme verzichten sollte kein Laden: „Die Verbraucher legen viel Wert auf Rabatt-Aktionen“, sagt Michael Kullmann, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Mitte, der für Hessen und Rheinland-Pfalz zuständig ist.

Zahlreiche neue Kollektionen
Der offizielle Sommer- und Winterschlussverkauf ist passé. Für Montag ist der Start der nächsten Kampagne angesetzt, doch für Unternehmen zählt dieser Termin nur freiwillig. Seit das Rabattgesetz im Juli 2001 gefallen ist, sucht jeder Einzelhändler für sich den optimalen Zeitpunkt für eine Rabatt-Aktion. Und das mehrfach im Jahr, gerade in der Modebranche. Mittlerweile gebe es alle paar Wochen neue Kollektionen, erklärt Christoph Feige, Center-Manager des Rhein-Neckar-Zentrums in Viernheim. „Alte“ Ware müsse früher aus den Lagern, damit Platz frei werde. Zwei Aktionen wie früher reichten da nicht mehr. Das führt auch dazu, dass klassische Namen wie „Sommerschlussverkauf“ verschwinden. An ihre Stelle treten englische Kreationen wie „Midseason Sale“ oder „Super Sale“. Mit Rabatten den Verkauf anzukurbeln, geht zum einen klassisch über das Schaufenster. Zum anderen gerichtet auf bestimmte Zielgruppen – durch Kundenkarten etwa. Ein Modell, das Thomas Harms lohnend findet: „So steigern die Unternehmen nicht nur ihren Umsatz, sondern stärken zudem noch die Kundenbindung“, sagt der Handelsexperte von Ernst & Young. Die Beratungsgesellschaft hat gerade ihr Handelsbarometer veröffentlicht, wonach deutschlandweit jedes zweite Unternehmen beim freiwilligen Sommerschlussverkauf dabei sein möchte.

Mit dem bisherigen Jahresverlauf sind die Einzelhändler überwiegend zufrieden, auch in der Region Rhein-Neckar. Sie sprechen von einer robusten Lage. „Noch zeigen sich die Verbraucher weitgehend unbeeindruckt von der europäischen Schulden-und Konjunkturkrise“, sagt Harms von Ernst & Young. Das wichtigste Geschäft kommt allerdings erst noch – an Weihnachten. In den Wochen davor erwirtschaftet der Einzelhandel in Deutschland fast ein Drittel seiner Erlöse. Insgesamt stehen die Zeichen für 2012 gut: Die Einzelhandelsumsätze werden laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) trotz der anhaltenden Diskussionen um die europäische Wirtschaftsund Finanzkrise im Vergleich zum Vorjahr um etwa ein Prozent steigen. Das entspräche einem Volumen von rund 410,1 Milliarden Euro. Erst vor wenigen Tagen hatte das Institut die „steigende Beschäftigung und den Rückgang der Arbeitslosigkeit“ im Land hervorgehoben.

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