15.11.2005 | ohne Angabe

Achtfacher Olympiasieger im Skilanglauf aus Norwegen erzählt in Mannheim über sein Leben nach dem aktiven Sport

Daehlie schießt Elche und wartet auf Lachse

Er war der Superstar des nordischen Skisports, hat insgesamt 29 Medaillen gewonnen, ist achtfacher Olympiasieger. Nach dem Karriereende ist der norwegische Langläufer Björn Daehlie aber nicht in ein tiefes Loch gefallen, nicht wie der frühere Tennisstar Boris Becker und andere Sportpromis zum Pausenclown der Boulevardpresse verkommen.
Als sich der 38-jährige Daehlie gestern vor einem Werbetermin für seine Sportbekleidungskollektion bei engelhorn sports in Mannheim der Presse stellte, machte er den Eindruck eines Mannes, der den Abschied von der großen Bühne des Weltsports gut verkraftet hat.
Dass es ihm fehlt, bei sportlichen Großereignissen im Rampenlicht zu stehen, räumte er allerdings offen ein. „Ich vermisse es sehr, vor allem wenn ich an die Olympischen Spiele im nächsten Jahr in Turin denke“, sagt Daehlie. „Es war ein fantastisches Gefühl, in Lillehammer vor 100.000 Zuschauern zu laufen, bei blauem Himmel, minus zehn bis 15 Grad und einem Meter Schnee“, gerät er ins Schwärmen“, wenn er an sein olympisches Heimspiel im Jahr 1994 zurückdenkt. Zweimal Gold und zweimal Silber hat er damals gewonnen und verpasste nur über die 50 Kilometer als Vierter eine Medaille.
Der 1,84 Meter große und 76 Kilogramm schwere Modellathlet war international erstmals 1987 bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Erscheinung getreten und wurde im italienischen Asiago Vierter über 30 Kilometer Freistil. Den Durchbruch in die Weltklasse schaffte er im Winter 1990/1991 mit seinem dritten Platz in der Weltcup-Gesamtwertung. Seine große Stunde schlug allerdings bei den Weltmeisterschaften in Val di Fiemme (Italien), wo er im Alter von 23 Jahren über 15 Kilometer im freien Stil in der 4 x 10 Kilometer-Staffel jeweils Gold gewann. Seine Laufbahn wollte er eigentlich erst nach den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City (US-Bundesstaat Utah) beenden. Ein schwerer Sturz beim Rollski-Training 199 durchkreuzte jedoch seine Pläne. Nach einer Rückenoperation und dem Verzicht auf die Saison 1999/2000 sowie gescheiterten Comeback-Versuchen im Sommer 2000, hatte Daehlie ein Einsehen.
„Ich hatte bereits 1996 meine eigene Sportkollektion auf den Markt gebracht. So bin ich nicht gleich in ein großes Loch gefallen“, sagt er. Aus dem Sportsmann Daehlie wurde der Geschäftsmann Daehlie – und der Fernsehstar Daehlie. Auf 50 Folgen brachte es eine Serie, in der er mit drei Mitstreitern die ganze Welt bereiste und natürlich Sport betrieb.
„Jungs reisen um die Welt“ übersetzte er den norwegischen Titel der Serie, die ihn unter anderem zum Skifahren und Bergsteigen in den Iran führte. „Dort haben wir die iranischen Langläufer getroffen. Die sind fast verrückt geworden, als sie gesehen haben, was wir dort gemacht haben“, erzählt er. Von seinem Mehr an Freizeit profitieren seine Lebensgefährtin Vilde Vlach-Ytter sowie die beiden Söhne Sivert (11) und Sander (8).
Beide versuchen sich im Biathlon – was Daehlie unterstützt, ohne Druck auszuüben. „Das wäre der falsche Weg“, weiß der Norweger, der in seiner aktiven Zeit rund 15.000 Kilometer pro Jahr auf den Langlaufskiern zurücklegte.
„Das ist so viel wie eine norwegische Familie pro Jahr mit dem Auto fährt“, erklärt er. Auf den Skiern steht er aber nach wie vor, absolviert immerhin noch 1500 Kilometer pro Jahr und will sogar beim Engadin-Skimarathon in der Schweiz an den Start gehen. Seine großen Hobbys sind das Angeln und das Jagen.
Dort ist er genau so ehrgeizig wie in seiner Aktivenzeit in der Loipe. „Ich habe in diesem Jahr sechs Elche geschossen, und wenn ich beim Angeln im Wasser stehe dann warte ich immer auf den ganz großen Lachs“, sagt Björn Daehlie.Christian Gaier

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