27.09.2008 | Mannheimer Morgen

Leuchtender Kosmos blauer Farbpigmente

Kunst: Modehaus Engelhorn zeigt 15 Originale von Yves Klein

Hosen lärmen nicht. Für Yves Klein (1928-1962) wäre das ein Trost gewesen, hätte er das Textilhaus Engelhorn in Mannheim besucht. Der 60er-Jahre-Künstler war fasziniert von den Lehren des Buddhismus, von fernöstlicher Stille und Meditation. Im vierten Stock des Modegeschäfts in O 5 hat man dem Wegbereiter der Moderne daher einen eigenen Raum eingerichtet. Nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch aus ästhetischen Erwägungen zeigt man hier, abgeschottet von Kleiderständern, 15 Originale des Künstlers.
Herforder Kunstsammlung
"Diese Farben sind einfach faszinierend", sagt Stella Ahlers über die monochromen Exponate, die ihr Herforder Bekleidungsunternehmen dem Mannheimer Modehaus bis 31. Oktober (Mo-Fr 10 bis 20 Uhr) zur Verfügung stellt. Seit drei Generationen führt ihre Familie die Firma, genauso lange wird Kunst gesammelt. Bis zu 25 Millionen Dollar können großformatige Yves-Klein-Werke heute auf dem Kunstmarkt kosten. "Unsere Sammlung haben wir vor Jahren zusammengestellt", sagt Ahlers, die keine Angaben zu Versicherungssummen oder dem Wert der Exponate machen will.
Zu sehen gibt es einen interessanten Querschnitt aus Kleins Werk. Arbeiten in seinem typischen Ultramarinblau, für das er sogar ein Patent anmeldete. Es ging Klein um die reine Farbwirkung des puren Pigments. Sein Verdienst war es, die Farbe von jeglichem Deutungshintergrund zu befreien. Klein spielte mit dem Undefinierbaren in der Kunst. So stürzte er sich am 27. November 1960 vom Dach eines Hauses und dokumentierte seinen "Sprung in die Leere" in einer nur an diesem Tag erscheinenden Zeitung - von der ein Exemplar nun auch in Mannheim hängt. Spätestens seit jener Performance zählte er zu den Pionieren der Aktionskunst.
Das kleinformatige "FC 11"-Bild erzählt davon, wie Klein seine blaue Farbe mithilfe eines Frauenkörpers aufdruckte und das Bild mit einem Flammenwerfer bearbeitete. Er malte mit Feuer und mit Scheinwerfern in die Luft. Er schuf Bilder, die förmlich aufzischten, verloschen und wieder ins Schweigen zurücksanken. Im hinteren Teil der Ausstellung findet sich "SE 185", eine Schwammskulptur. Klein war einer der Ersten, der Alltagsgegenstände in seine Kunst integrierte. So, wie Robert Rauschenberg oder Andy Warhol, deren Pop Art vor allem ein Ziel verfolgte: Kritik zu üben am Materialismus dieser Welt.

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