27.10.2008 | Mannheimer Morgen

Natürlichkeit gefragt

Casting: Modelabel sucht Mütter und Töchter

Larissa Künster steht etwas verloren
zwischen all den Spiegeln und Kleiderstangen.
„Wo ist sie denn bloß“,
fragt die 22-Jährige leise in die Runde
und begibt sich auf die Suche nach
ihrer Mutter. Das französische Modelabel
„Comptoir des Cotonniers“
hatte zu einem Casting ins Modehaus
Engelhorn geladen. Allerdings
Mütter und Töchter zusammen. Da
hat Larissa ein Problem. Denn Mutter
Stefanie stöbert lieber zwischen
Blusen und Jacken als der Aufforderung
von Fotografin Anna Logue zu
folgen, sich vor die Linse zu stellen.
Drei schnelle Klicks vor dem weißen
Hintergrund, schon sind die
zahlreichen Mutter-Tochter-Paare
wieder entlassen. Nur Larissa steht
noch da, hält die Nummer 30 in der
Hand und wartet. Derweil grinsen
Julia und Bettina Huber in die Kamera.
„Meine Tochter hat mich spontan
mitgenommen. Sonst hätte ich mir
noch die Haare gewaschen“, sagt
Bettina Huber schmunzelnd. Die 18-
jährige Julia macht sich indes keine
Illusionen übers Modeln: „Mit meiner
Größe von 1,63 Meter bin ich eindeutig
zu klein.“ Fabienne Gallier
sieht da bessere Chancen. Die Zwölfjährige
ist bereits jetzt elf Zentimeter
größer als Julia. „Ich wachse bestimmt
noch. Außerdem probiere
ich total gern neue Klamotten an“,
glaubt die Schülerin an die spätere
Karriere als Model.
„Wir suchen Natürlichkeit, Authentizität
und Harmonie“, sagt Halil
Ceylan, Verkaufsleiter von
„Comptoir des Cotonniers“. Und
das rund um den Globus. Mitte November
will das Modelabel die Gesichter
für seine neue Kampagne gefunden
haben. Dann geht's für die
Gewinner nach Paris, zu den Aufnahmen
für die Poster und Kataloge.
Larissa und ihrer Mutter ist eine
Modelkarriere „egal“. Dabei zeigen
sich die beiden sehr natürlich, wenn
sie lautstark über Belanglosigkeiten
plaudern und sich stets ins Wort fallen.
„Authentizität“ – genau das Gewünschte.
Nur mit der Harmonie
hapert es noch ein wenig.

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