13.10.2008 | Handelsblatt

Millionene für die Einkaufsmeile

Mannheim macht sich hübsch für den Einzelhandel

Zwischen Rhein und Neckar scheint
ein riesiger Magnet eingebaut zu
sein, der Kunden und ihr Geld magisch
anzieht: Der Mannheimer Einzelhandel
erzielt 40 Prozent mehr
Umsatz als der deutsche Durchschnitt.
Vor allem aus dem Umland
kommen Kunden: Einkaufstouristen
sorgen für ein gutes Drittel der Umsätze,
wie eine Studie des Deutschen
Instituts für Urbanistik zeigt. Nach
Zahlen des Marktforschungsinstituts
GfK Geomarketing stiegen Umsätze
und Verkaufsflächen in der Stadt zwischen
2004 und 2007 stetig im Gleichschritt
an.
Mode läuft besonders gut: Als Zugpferd
gilt der Textilhändler Engelhorn
mit seinem Angebot an Designermode.
Engelhorn hat sein Stammhaus
an der zentralen Einkaufsstraße,
den Planken, in den vergangenen
Jahren umgebaut und um einen
Neubau mit avantgardistischen Formen
ergänzt – für insgesamt rund 17,5
Mio. Euro. Das Ergebnis begeistert
auch den Hauptverband des deutschen
Einzelhandels: Engelhorn erhielt
den Preis „Store of the Year
2008“. Auch Wettbewerber Peek &
Cloppenburg hat sich in Mannheim
neu aufgestellt: Für 50 Mio. Euro errichtete
der Modekonzern ein Weltstadthaus
mit mehr als 11 000 Quadratmetern
Verkaufsfläche.
Doch auf ihrem Weg zur Einkaufsstadt
Nummer eins im Südwesten
Deutschlands zeigt sich Mannheims
Innenstadt noch ein wenig unfertig.
Bauzäune, altes Straßen-Pflaster und
altmodische Laternen schmälern
den Glanz der neuen Einkaufstempel.
Damit sich einkaufende Mannheimer
und Touristen in der Innenstadt
wohler fühlen, will die Stadt
jetzt die zentrale Einkaufsstraße, die
Planken, völlig neu gestalten. Im
Frühjahr dieses Jahres startete ein Architektenwettbewerb
für die Neugestaltung
der Planken inklusive des Paradeplatzes
und ihrer Seitenstraßen.
Inhaltlich beruht der Wettbewerb
auf dem so genannten Entwicklungskonzept
Mannheim, das Stadtverwaltung,
Bürger, Vereine und Verbände
zur 400-Jahr-Feier im Jahr 2007 gemeinsam
erarbeitet haben.
Fast 50 Architekten- und Planerteams
arbeiten ihre Vorstellungen
aus. Alle Interessengruppen dürfen
mitreden – Einzelhandel und Gastronomie
genauso wie Anwohner, städtische
Ämter, Museen oder Schulen.
Die Stadt will das gesamte Viertel
neu und einheitlich gestalten: Böden,
Bänke, Abfallbehälter, Freiflächen
für die Gastronomie, Haltestellen für
Straßenbahnen und Busse, Bäume
oder Sträucher oder eine Beschilderung
zu Museen oder Ämtern. Das
Land Baden-Württemberg unterstützt
Mannheim mit 300 000 Euro
für die Umgestaltung der zentralen
Einkaufsstraße. Insgesamt soll der
Umbau zehn Mio. Euro kosten.
Ein anderes Innenstadtviertel, die
Kurpfalzachse, ist bereits für sechs
Mio. Euro erneuert worden. Kritisch
sah es im Frühjahr am Neckartor aus,
dem Ende der erneuerten Kurpfalzstraße:
Dort schloss Karstadt seine
Kaufhaus-Filiale, kurze Zeit später
drohte eine zweite Enttäuschung:
Ein interessierter Investor sprang ab.
Inzwischen ist eine Lösung in Sicht:
Die österreichische Lutz-Gruppe
will im ehemaligen Karstadt-Gebäude
ein Möbel-Haus der Kette Mömax
auf 20 000 Quadratmetern eröffnen.
Die Einzelhändler sind erleichtert,
dass das Kaufhaus nicht leer
steht und den Ruf der Innenstadt ruiniert.
Denn Mannheim bietet inzwischen
Top-Lagen: Die Mieten sind in
den letzten zehn Jahren um bis zu 20
Prozent gestiegen. Händler zahlen
bis zu 140 Euro pro Quadratmeter.

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