13.10.2008 | Handeslblatt

City setzt neue Glanzpunkte

Zahlreiche Bauprojekte untermauern mannheims rolle als regionales Zentrum

Wenn der Suez-Kanal gesperrt ist, leiden
die Auto- und Radfahrer. Der
Straßentunnel mit dem berühmten
Spitznamen hinter dem Hauptbahnhof
in Richtung Lindenhof bleibt
noch bis Ende des Jahres verschlossen.
Wer in diese Richtung fährt,
muss lange Umwege durch die Innenstadt
in Kauf nehmen. Denn in Mannheim
regieren die Bagger: Am Bahnhofsvorplatz
entsteht ein neuer Gebäudekomplex.
Um dieses Großvorhaben
zu realisieren, muss nicht nur
der Straßenbahn-Wendekreis um 50
Meter in westlicher Richtung rücken,
auch die Tunnelstraße zwischen
Innenstadt und Lindenhof
wird tiefer gelegt.
Bis zum Jahr 2010 entsteht neben
dem Hauptbahnhof ein Büro- und Hotelkomplex
mit dem Projektnamen
Euro City Center West: ein vierstöckiger
Bürobau und ein elfstöckiger Hotelturm.
Das Vorhaben umfasst ein Investitionsvolumen
von rund 35 Mio.
Euro. Das 40 Meter hohe Gebäude
auf dem 1 680 Quadratmeter großen
Gelände schließt die letzte verbliebene
Baulücke am Bahnhofsvorplatz.
Den Anstoß zu dem Projekt gab die
Mannheimer Versicherung bereits
vor acht Jahren. Inzwischen hat die
LBBW Immobilien-Gruppe das
Grundstück von der Stadt erworben
und das Projekt mit neuem Konzept
gestartet. Vergangenen Dezember
gab der Gemeinderat dem Vorhaben
grünes Licht.
Für das geplante Hotel der gehobenen
Kategorie steht bereits ein Betreiber
parat. „Wir stehen kurz vor der
Unterschrift“, sagt Brigitte Reibenspies,
Sprecherin der Landesbank-
Immobilientochter. Auch für den Bürotrakt
hat sich schon ein Mieter gefunden:
Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft,
die zum Ausbau ihrer
Mannheimer Niederlassung einen
neuen Standort gesucht hat, wird
dort 200 Arbeitsplätze einrichten.
Das Bauvorhaben hat im Vorfeld
für Kritik gesorgt. Zunächst blockierte
eine von Anwohnern angestrengte
Klage gegen den Bebauungsplan
den Fortgang. Dann lag der Büroflächenmarkt
zeitweise darnieder,
und die Mannheimer Versicherung
zog sich aus dem Projekt zurück.
Aber jetzt setzen Stadt und Landesbank
die Pläne in die Realität um,
denn auf dem Immobilienmarkt
herrscht wieder Nachfrage. Der
Turm bildet mit den schon bestehenden
Hochhäusern die Raumbegrenzung
des Bahnhofsvorplatzes und
werte diesen zu einem „gestalterisch
ausgewogenen, attraktiven Platz“
auf, heißt es bei der LBBW Immobilien
Development.
Für die Bau- und Immobilienwirtschaft
in der Stadt geht es aufwärts.
„Der massive Auftrieb, den das Stadtjubiläum
2007 mobilisiert hat, ist
nicht abgeflaut“, sagt Immobilienmakler
Jörg Ascheberg. Zusätzlich
zum Bahnhofs-Hochhaus sind weitere
Großprojekte in der Pipeline:
Ein altes Parkhaus in der Innenstadt,
das sogennante Quadrat Q 6, und
Teile des angrenzenden Viertels Q 7,
sollen einem Komplex mit Einkaufsmeile,
Hotellerie und Wohnungen
Platz machen. Den Zuschlag für Bau
und Vermietung des 180 Mio. Euro
teuren Projekts erhielten die Mannheimer
Unternehmen Engelhorn
und Diringer & Scheidel. In der Galileistraße
unweit des Hauptbahnhofs
entsteht der Gebäudekomplex Galilei
3 mit 9 000 Quadratmetern Bürofläche.
Hier wird die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Deloitte & Touche
ihr neues Quartier beziehen.
Ein neues Gesicht erhält jetzt
auch die Fußgängerzone. An weiteren
Ideen, wie das Stadtbild aufgewertet
werden könnte, fehlt es nicht.
Möglich ist die Verlängerung der
Fußgängerzone Planken bis zum Rathaus.
Das barocke Schloss und die
Universität könnten wieder mehr ins
städtische Geschehen integriert werden,
wenn der Verkehr unter die
Erde verbannt würde – in einen Straßentunnel
vor dem Prachtbau.
„Mannheim ist als Wirtschafts- und
Einkaufsstadt definitiv das Zentrum
der Region“, sagt Immobilienmakler
Ascheberg, „aber darauf kann man
sich nicht ausruhen.“ Die Konkurrenz
ist groß: In Ludwigshafen, der
Rivalin auf der anderen Rheinseite,
entsteht im Zollhofhafen bereits ein
riesiges Einkaufszentrum.

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