06.11.2004 | Mannheimer Morgen

Popsongs mit einem Hauch von Geheimnis

ROCK IM QUADRAT: Yvonne Betz fasziniert mit mystischen Klängen abseits des Mainstreams

Sie ist längst aus dem Schatten ihrer Mentoren Xavier Naidoo und Michael Herberger herausgetreten: Yvonne Betz hat sich innerhalb kurzer Zeit bundesweit auf der Pop-Szene einen Ruf als Ausnahmekünstlerin erworben, die mutige Wege abseits des Mainstreams beschreitet. Auf ihrer grandiosen Debüt-CD „Ich ruf nach dir“ überschüttet sie den Zuhörer mit einer Flut verführerischer Klänge: raunenden Streichern, glimmenden Gitarren, seufzenden Chören, glitzernden Harfentönen.
Der Auftritt der 28-jährigen Sängerin und Songschreiberin bei „Rock im Quadrat“ am Samstag, 13. November, 20 Uhr, verspricht eines der großen Hörabenteuer des Festivals zu werden das von „engelhorn trendhouse“, HM Interdrink und der Sparkasse Rhein Neckar Nord gesponsert wird. Es dürfte faszinierend sein, zu beobachten, wie die Song-Poetin die opulenten, sinnlichen Arrangements ihres Albums auf die Bühne bringen wird. Sie präsentiert ihre Stücke, die sie mit Musikern der Söhne Mannheims aufgenommen hat, mit ihrer Live-Band: Oliver Klenk (Gitarre), Matthias Grosch (Keyboard) Arno Sälzer (Bass), Mario Garuccio (Schlagzeug), Jutta Gründel (Background-Gesang)
In ihrer Musik versteht es Yvonne Betz - damit am ehesten vergleichbar ist mit einer anderen großen Einzelgängerin: Kate Bush – eine ganz eigene Aura von sanfter, aber suggestiver Kraft zu erzeugen. Da ist diese wunderbare, Stimme: sanft, elfenhaft, feengleich, die sich anhört, als könne sie Schmerzen lindern.
Und da sind die Texte: poetisch, bildstark, ungewöhnlich, mit denen Yvonne Betz in emotionale Tiefenschichten vordringt. Besonders reizt sie das Doppelbödige, Brüchige des menschlichen Miteinanders, „Dinge, die auf der Kippe stehen“, wie sie selbst sagt. Etwa die Sprachlosigkeit eines Paares, das sich entfremdet hat, in dem von rockigen Gitarrenschlägen unterlegten Psychogramm „Silber und Gold“. Oder der Moment, in dem eine Frau, die bislang das Opfer einer gewalttätigen Beziehung war, sich zur Wehr setzt, wie in der Jazznummer „Es ist nicht auszuhalten“.
Die Authentizität dieser subtilen Momentaufnahmen rührt daher, dass Yvonne Betz viele Songs ganz spontan schreibt, oft unmittelbar berührt von akuten Situationen. Oft entstünden die Titel innerhalb kürzester Zeit, Manchmal in nur dreißig Minuten, berichtet die Sängerin, die damit, ohne es zu wissen eine Seelenverwandtschaft mit einem der Größten der Pop-Geschichte aufweist: John Lennon.
Die Idee zu „Niemand da“, einem zerbrechlichen Lied über Einsamkeit, kam Yvonne Betz etwa, „als innerhalb weniger Tage plötzlich mehrere Freundinnen mich anriefen und mir von ihren Trennungen erzählten“. Unter dem Eindruck einer Beerdigung entstand dagegen „Laute Stille“, eine bewegende Klage um den toten Mann einer Bekannten. „Er starb durch einen Unfall. Und sie kann Gott nicht verzeihen, was er ihr angetan hat. Ich habe das Lied für sie geschrieben“, erklärt Betz.

Solche Situationen, die sie zu einem Song inspirierten, hätten durchaus etwas Magisches, findet sie: „ In einem solchen Moment ist alles so wahr, wie es wahrer nicht sein kann. Diese Momente möchte ich in meiner Musik einfangen“, erklärt sie. Und so darf sich das Publikum im Capitol auf viele solcher Augenblicke freuen.

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