30.03.2011 | Mannheimer Morgen

Kostenlose Klassik für Kinder auf Kissen

Bildung: Junges Orchester „Mannheimer Philharmoniker“ startet neue Reihe und lädt dazu Schulklassen ein / Langfristig Musikunterricht geplant

Die Musiker im Frack, die Gäste im dunklen Anzug auf Stühlen und meist mit grauen Haaren – diesem Klischee von Klassik-Konzerten wollen die „Mannheimer Philharmoniker“ ein neues Konzept entgegensetzen und Klassik für Kinder bieten, die gemütlich auf Kissen sitzen – und alles ohne Kosten.

Premiere ist am 5. April im Rosengarten, den die m:con günstiger zur Verfügung stellt. Sponsoren, beim ersten Mal ist Homburg & Partner dabei, übernehmen einen Teil der anderen Kosten, denn die Mädchen und Jungen im Alter von etwa sechs bis zwölf Jahren sollen keinen Eintritt zahlen müssen. „Wir möchten Kindern Zugang zur klassischen Musik ermöglichen, mit einem innovativen und interaktiven Konzept“, so Edilia Gänz, die Pressesprecherin der „Mannheimer Philharmoniker“. Der erst vor rund einem Jahr gegründete neue Klagkörper besteht meist aus Musikern von unter 30 Jahren. Die Absolventen von Musikhochschulen oder Studenten in der letzten Phase des Studiums sammeln hier erste Erfahrung in einem Orchester und möchten sich so für Stellen bei großen Kulturorchestern empfehlen. Aber die „Mannheimer Philharmoniker“ wollen nicht nur Sprungbrett sein, sondern auch Türöffner – und junge Menschen an klassische Töne gewöhnen. Man habe langfristig den „innigen Wunsch nach einem gebildeten und kritischen Publikum“ und wolle es sich selbst aufbauen, indem man „auf leidenschaftliche Art musikalisches Verständnis vermittelt“, formuliert es Gänz: „Für manche Kinder ist es sicher die erste Konfrontation mit klassischer Musik, aber wir hoffen, dass da ein Wandel in der Einstellung stattfindet“.

Moderieren wird die Konzertreihe Roland Kunz, Sprecher und Programmgestalter verschiedener Radiosendungen für klassische Musik. Die jeweils meist bis zu 300 Kinder, die komplett im Klassenverband eingeladen werden, sollen vor, bei und während dem Konzert zudem betreut werden.

Studenteninitiative hilft
Dazu haben sich die „Mannheimer Philharmoniker“ die Unterstützung der Studenteninitiative „Sife“ (Students In Free Enterprise) gesichert, die theoretisches Wissen aus der Universität in soziales Engagement in der Region praktisch umsetzen will. „Wir haben in letzter Zeit viele neue Mitglieder gewonnen und so die Möglichkeit, ein weiteres Betätigungsfeld aufzubauen – und eine Sache für Kinder aus allen Schichten ist toll, daher unterstützen wir das gerne“, so Tim Brombach von „Sife“. Laut Edilia Gänz endet das Konzept auch nicht mit den kostenlosen Konzerten. Man wolle langfristig „Junior Philharmoniker“ aufbauen, als „soziales Bildungsprojekt“. Dabei möchten die Orchestermusiker Kindern und Jugendlichen aus sozial schwierigen Verhältnissen die Möglichkeit geben, sich mit den verschiedenen Instrumenten eines Symphonieorchesters vertraut zu machen und eines davon kostenlos zu erlernen – auch dies finanziert über Sponsoren, wobei das Modehaus Engelhorn schon zugesagt habe. Vorbild dafür seien die berühmten venezualanischen „El Sistema“ mit Kindern aus den Slums. Das aber sei, räumt Gänz ein, „ein ehrgeiziges Ziel“.

zurück zur Übersicht