07.11.2011 | Die Rheinpfalz

Nicht nur zum Autogrammschreiben

Die Skirennläuferin und frühere Weltmeisterin Martina Ertl stattet Mannheim einen Besuch ab

Sportlicher Ruhm verblasst schnell. 2006 beendete die Skirennläuferin Martina Ertl ihre Karriere. Zwei Weltmeistertitel, zwei olympische Silbermedaillen, 14 Weltcupsiege, ein zweiter Platz im Gesamtweltcup und den Gesamtsieg in der Disziplin Riesenslalom hatte sie damals auf ihrem Erfolgskonto. Als Martina Ertl-Renz trat die mittlerweile zweifache Mutter am Samstag bei Engelhorn Sports auf. Starrummel? Eher nein…

„Martina Ertl? Hier bei uns? Keine Ahnung." Der Verkäufer im Erdgeschoss
des Sporthauses war überfragt. Erst nach einigen Telefonaten war klar: „Ja, die kommt wirklich hierher. Um 13 Uhr im Keller bei den Skiern.“ Immerhin beim vertrauten Sportgerät also, aber im Keller? Tatsächlich. Dort unten plauderte eine sportliche junge Frau, eingerahmt von heruntergesetzten Skischuhen und Socken, mit dem Moderator eines
lokalen Fernsehsenders. Das Augenmerk der meisten Kunden am Samstagmittag galt jedoch weniger der blonden Frau. „Ich bin hier, weil wir über Weihnachten Skifahren wollen“, verriet ein Mitvierziger. Für den ehemaligen „Ski-Hasen“ hatte er deshalb keine Augen. „Ich bin ja jetzt auch eine Ski-Mama“, stellte Martina Ertl augenzwinkernd fest. Der Andrang an der Rolltreppe nach oben zu Beginn des „offiziellen“ Gesprächs ließ darauf schließen, dass das Interesse an der Werbeaktion nicht allzu groß war. Immerhin zeigte sich der Moderator vorbereitet. Schließlich war die 38-Jährige ja nicht nur zum Autogrammschreiben nach Mannheim gekommen. Gemeinsam mit ihrem Mann hat die Ex-Rennläuferin ein neuartiges Skischuhsystem entwickelt, das angeblich noch mehr Spaß
am Wintersport verspricht. Dabei begab sich der Interviewer sogar aufs
philosophische Glatteis. „Die Bedeutung des Skischuhs kann gar nicht groß genug sein“, lieferte er dem Ehepaar eine Steilvorlage. „Es kann einem den ganzen Skitag vermiesen, wenn es drückt“, nahm Ehemann Sven Renz die Vorlage gerne an. Schließlich habe jeder Läufer ein anderes „Schuhgefühl“, und all diese Gefühle sollen in das neue System einfließen, in dem zunächst einmal der Fuß des angehenden Käufers dreidimensional vermessen wird und anschließend, zumindest angeblich, passgenaue Polster angemessen bekommt. „Schuhverlässig“ hieß das früher in einer Schuhwerbung. Und dann durfte Martina Ertl-Renz doch noch Autogramme schreiben, denn ein paar Fans gab es offenbar doch. Auch wenn im Erdgeschoss weder Andrang noch Euphorie zu spüren waren. „Ist sie jetzt da?“, fragte der Verkäufer deshalb interessiert den Gast, der mit der Rolltreppe
wieder aus dem Keller kam. Ja, ist sie.

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