17.11.2011 | Wochenblatt Mannheim

„Wir sind nur ein Stein in einem Mosaik“

Richard Engelhorn, Geschäftsführer Unternehmensgruppe engelhorn

Das Modehaus engelhorn gibt es schon seit 1890. Von der Gründung bis vor einigen Jahren war es über die Mannheimer Stadtgrenzen hinaus bekannt unter dem Namen „engelhorn & sturm“. Das Modehaus symbolisiert wie kein zweites Unternehmen die Strahlkraft Mannheims als die Einkaufsmetropole der Rhein-Neckar-Region. Mit Geschäftsführer Richard Engelhorn, einer der drei geschäftsführenden Gesellschafter des Hauses, sprach Wochenblatt-Redakteur Peter Engelhardt über Siegerstrategien im deutschen Mittelstand 2011 und über die Attraktivität der Quadratestadt.

???: Was sind denn zukünftige Siegerstrategien des Mittelstandes?
Richard Engelhorn: Wir unterliegen dem ständigen Wandel, neuen Tendenzen und Entwicklungen. Im Zuge dieser Veränderungen hat die Rationalität einen immer größeren Raum eingenommen. Innerhalb der Unternehmen wurde immer mehr rationalisiert, optimiert, der Mensch stand oftmals nur an zweiter Stelle. Aber gerade die Mitarbeiter sind es ja, die wesentlich zum Erfolg eines Unternehmens beitragen. Die Strategie des Motivierens sollte wieder mehr in den Vordergrund rücken. Die Chefetage sollte wieder vermehrt den persönlichen Kontakt zu seinen Leuten suchen. Wenn die Verantwortlichen eines Unternehmens ihren Mitarbeitern mehr Vertrauen, ihnen entsprechende Wertschätzung entgegenbringen, wirkt sich das schlussendlich auch auf die Kunden aus. Der Mitarbeiter sollte verinnerlichen: mein Job ist wichtig für eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens. Es ist wie im Fußball: Der Star ist die Mannschaft. Das sehe ich als wesentlichen Baustein einer Siegerstrategie und ging zuletzt ein wenig verloren in unserer Gesellschaft.

???: Woran liegt das in der Hauptsache?
Engelhorn: Die Kommunikationstechnik hat sich verändert, sie wurde unpersönlicher, das hat entscheidend dazu beigetragen.

???: Glauben Sie, dass sich diese menschliche Erfolgsstrategie in einer doch sehr leistungsbezogenen Geschäftswelt durchsetzt?
Engelhorn: Man muss sich darüber immer wieder klar werden. Es ist ein Dauerthema. Wenn das nicht mehr passiert, wird die Welt rauer und kühler. Das würde mir auch persönlich nicht gefallen.

???: Das Modehaus engelhorn gilt als innovativ, ehrgeizig gepaart mit scheinbar ungezügeltem Appetit nach Erfolg - es gibt Einzelhändler in dieser Stadt, denen diese Geschäftspolitik nicht gefällt. Haben Sie dafür Verständnis?
Engelhorn: Ich habe nicht das Gefühl, dass wir jemanden etwas wegnehmen. Wir leben in einem offenen Wettbewerb, mit einem lahmen Gaul gewinnen sie kein Pferderennen. Und gewinnen will doch jeder. Es geht ja nicht nur um Mannheim, es geht um die ganze Region. Und da kann und muss sich doch jeder bewähren. Wir helfen der Region, wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Das ist ein ganz wesentliches Ansinnen unserer Geschäftsphilosophie. Aber wir sind trotz allem nur ein Stein in einem großen Mosaik.

???: Was wünschen Sie sich für diese Stadt?
Engelhorn: Wir bräuchten für beide Seiten sowohl über den Neckar wie über den Rhein noch eine Brücke. Umgehungsbrücken, um den Verkehr zu entlasten. Aber das geht natürlich nicht von heute auf morgen und ist auch ein großer Kostenfaktor. Aber man muss auch sagen, es hat sich viel getan in den vergangenen Jahren. Die Stadt entwickelt sich gut, gar keine Frage. Aber Optimierungsbedarf gibt es immer, Stillstand wäre gar nicht gut. Die Konkurrenz ist groß, die Innenstadt muss permanent an ihrer Attraktivität arbeiten. Mit dem Online-Geschäft hat man sich zwar dem Verbraucherverhalten angepasst, aber es ist die Konkurrenz im eigenen Haus. Das macht eine Siegerstrategie im menschlichen Bereich noch wichtiger. Die echte Kommunikation ist und bleibt ein entscheidender Faktor für den Erfolg.

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