04.12.2003 | Mannheimer Morgen

Mannheimer Modehaus Engelhorn macht keine Höhenflüge

Textilhändler kämpft mit Umsatzeinbußen/ Eröffnung von Internet-Shops/ Niedrigpreisigere Sortimente sollen das Angebot ergänzen

„Es waren die schwierigsten zwölf Monate seit 40 Jahren“. Fabian Engelhorn, Mitglied der Geschäftsführung des gleichnamigen Modehauses, nahm in seinem Vortrag vor dem Club der Kurpfälzischen Wirtschaftsjournalisten kein Blatt vor den mund. Die Modebranche kämpft mit massiven Schwierigkeiten. Um 10 bis 12 Prozent
sei der Umsatz im Bereich Textilien branchenweit in diesem Jahr rückläufig.

Auch wenn es ärgerlich sei, manchmal sei Druck von außen nötig, um Veränderungen herbeizuführen, beschrieb Fabian Engelhorn die Bestrebungen des Modehauses, das Unternehmen für die Zukunft fit zu machen. „ Wir wollen mehr Geschmack, Profil und Stil“ überschrieb der junge Manager, der gemeinsam mit Andreas Hilgenstock seit März die vierte Generation in der Engelhorn-Geschäftsführung repräsentiert, die Pläne. So sollen die Sortimente wieder nach mehr nach „Funktion“ zusammengefasst werden, sprich „Hosen zu Hosen“, „Blusen zu Blusen“ oder „Kostüme zu Kostümen“. Zurückfahren will man im Gegenzug die Markenshops, in denen unterschiedliche Anbieter jeweils ihre gesamte Palette offerieren.

Ohnehin arbeite man daran, die Sparte Eigenmarken auszubauen, die momentan je nach Bereich zwischen 5 und 20 Prozent ausmacht. „Wir müssen unsere Unabhängikeit zurückholen“, erklärte Engelhorn die Strategie, sich von dem einen oder anderen Industrielabel zu lösen. Wenn eine bekannte Marke in einem Geschäft verramscht würde, habe man keine Chance mehr, einen angemessenen Preis für die Ware zu erzielen. Hilfestellung bei diesen Bemühungen gibt eine Kooperation mit den Handelshäusern, die ähnlich strukturiert sind wie Engelhorn und mit denen man sowohl im Einkauf als auch imMarketing zusammenarbeitet. Ein weiteres wichtiges Thema sei Schnelligkeit. Da legen Wettbewerber wie die spanische Textilkette „Zara“ die Messlatte hoch. „Die kaufen Stoffe in asien ein, holen die Näherinnen aufs Schiff und lassen die Textilien während der Überfahrt fertigen“.

Auch wenn Engelhorn nicht mit Discountern konkurrieren will und betont, im so genannten „werigen Bereich“ sein Geld zu verdienen, hat man doch ein Auge auf neue Zielgruppen geworfen. Wir wollen nach unten anbauen“, erklärten Engelhorn uind Hilgenstock Bestrebungen, auch in niedrigeren Preissegmenten Waren anzubieten, um Kunden anzusprechen, die bisher noch nicht zur Engelhorn-Klientel gehörten.

Neue Zielgruppen will man auch im Internet finden. Ab nächstes Jahr sollen auf der Homepage des Unternehmens Shops installiert werden und das Engelhorn-Online-Shopping seine Premiere feiern. Schon jetzt sind die Mannheimer „Powerseller“ im Internet –Auktionshaus eBay.

Im laufenden Geschäftsjahr, das Ende Februar 2004 endet, rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von 130 Mio.Euro, bis jetzt liegt das Minus bei 5 Prozent. Man schreibe jedoch schwarze Zahlen. Damit würde der Umsatz auf dem Niveau von2001/2002 liegen, damals war die Fläche, die heute bei knapp 34000qm liegt, allerdings deutlich geringer. Am besten lief es im Sporthaus. In Mannheim ist engelhorn außerdem noch mit dem Stammhaus auf den Ülanken, dem Trendhousefür jugendliche Mode sowie einem Strumpf- und einem Wäschehaus vertreten. Nicht ganz glücklich ist man bei engelhorn mit der Filiale „active town“ im Rehin-Neckar-Zentrum, die den angepeilten Umsatz von 20 Mio. Euro auch in diesem Geschäftsjahr nicht erreichen wird.

Die Zahl der Arbeitsplätze wurde um 70 bis 80 reduziert. Im Moment arbeiten 1100 Menschen für Engelhorn, was umgerechnet 750 Vollzeit-Stellen sind.

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