11.11.2004 | Mannheimer Morgen

Ein Umweg über 42,195 Kilometer – aber nur, wenn die Treppe sauber bleibt

LEICHTATHLETIK: Gerd Weinhart will mit 60 Jahren beim Quelle Challenge in Roth starten

Von unserem Redaktionsmitglied Ute Krebs

Das „MM hoch 42“-Team bilden 28 Erstläufer, die bei unseren Kooperationspartnern Engelhorn sports, Med sportif, Pfitzenmeier und Sportomed fit gemacht werden für den MLP Marathon Mannheim Rhein-Neckar. Am 21. Mai 2005 erfolgt der Startschuss, die Vorbereitung hat längst begonnen.

Er ist seit Oktober 2003 im Vorruhestand. „Nun kann ich endlich richtig trainieren“, sagt Gerd Weinhart. Der 58-Jährige hat ein großes (Lebens-)Ziel: Mit 60 Jahren will er den Quelle Challenge in Roth packen. „Wenn's geht in 14 Stunden“, erklärt der Mannheimer zum fränkischen Langdistanz-Klassiker über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einem abschließenden Marathon. Weinhart hat zwar seit 41 Jahren sein Herz an Alice verloren, mit der er 38 Jahre glücklich verheiratet ist, aber seine zweite große Liebe – neben der Familie – ist der Triathlon. In den achtziger Jahren absolvierte er bereits vier Wettbewerbe über die Kurzdistanz. „Den ersten in Worms“, erinnert sich Weinhart an den Dreikampf in Rheinhessen, bei dem allerdings die Reihenfolge Schwimmen – Laufen – Radfahren lautete. Schon lange liest er alles, was er über die Lieblingssportart in die Finger kriegen kann, oder er sitzt gebannt vor dem Fernseher, verfolgt das unglaubliche Leistungsvermögen und die Leidensmienen der Protagonisten – Qualen, die auch in seinen Träumen eine Rolle spielen. Denn längst hat den bewegungssüchtigen Pensionär der Ehrgeiz erfasst: Er will sich der Herausforderung stellen, selbst zum Eisenmann werden – wie es auf seinem Baseball-Käppi steht, das er vor einigen Jahren in Roth erworben hat und auf dem die Unterschriften der Weltklasse-Athleten Alexander Taubert und Normann Stadler prangen.

Als Fan der nationalen Triathlon-Aushängeschilder mit einer österreichischen Glocke als Markenzeichen unverwechselund unüberhörbar, nimmt der ehemalige Dreher bei Roche einen Umweg Richtung Roth in Kauf: Zunächst soll er einen Marathon laufen, das hat ihm der sportliche Leiter des Soprema-Teams der MTG Mannheim dringend empfohlen. Und Weinhart hörte auf den Rat von Winfried Traub und entschied sich für die 42,195 Kilometer vor der Haustür. Nun bereitet er sich bei Sportomed und der diplomierten Sportökonomin Claudia Gerling darauf vor. „Gerd ist ein sehr ehrgeiziger Sportler und mit viel Engagement bei der Sache“, bestätigt die 36-Jährige, ehe sie sich mit ihren sieben Unerschrockenen zur nächsten Trainingseinheit auf den Weg macht. Neben Weinhart gehören außerdem Michael Bag, Miriam Neumann, Uwe Schäl, Susanne Ritter, Sieglinde Kusma und Alexander Schulz zu der Sportomed-Gruppe. Nach dem Einlaufen stehen Koordination, Intervalle (sechs Mal 400 Meter), Auslaufen und Dehnen auf dem Programm. „Mindestens 90 Minuten“ dauert diese Spaß-Episode für Gerd Weinhart, der sich auf jeden Schritt, der ihn seinem Ziel näher bringt, freut wie ein Schneekönig. Der angehende Marathoni gesteht: „Ich bin ausgeglichener und ruhiger geworden.“ Er fühlt sich wie ein Vierzigjähriger, hat seit Mai und den Besuchen bei den Weight Watchers fast 17 Kilogramm abgespeckt. Bei 1,76 Meter Körpergröße bringt er inzwischen etwas mehr als 88 Kilogramm auf die Waage. „Noch gut acht müssen runter.“
„Sport habe ich eigentlich immer viel gemacht, aber eben auch mit Unterbrechungen“, erinnert sich der 58-Jährige an seine badische Jugendmeisterschaft als Gewichtheber des KSV 84 Mannheim, aber auch an die schon lange vorhandene Begeisterung fürs Laufen. „1981/82 habe ich einen Zehner in knapp 46 Minuten geschafft.“ Im Mai 2005 beim MLP Marathon Mannheim Rhein-Neckar heißt die Vorgabe „unter viereinhalb Stunden“. Unterstützung hat der Hobbykoch jedenfalls von der gesamten Familie: den beiden Töchtern Sabine und Sandra, aber auch den Enkeln Sabrina und Julia. Alle sind stolz auf den ausdauer- und willensstarken Vater beziehungsweise Opa, versichert Gerd Weinhart. Nur Ehefrau Alice schimpft ab und zu (mit einem Augenzwinkern): Wenn ihr Göttergatte vergisst, die dreckigen Laufschuhe auszuziehen und die frisch gewischte Treppe postwendend wieder einsaut.

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