18.12.2004 | Mannheimer Morgen

„Schließlich kommt M vor N – erst Mannheim, dann New York“

LEICHTATHLETIK: Roland Eils hat den MLP Marathon im Blick und die Laufschuhe stets im Gepäck

Von unserem Mitarbeiter Roland Bode

„Irgendwann war ich einmal in Shanghai, habe mir morgens um sechs Uhr eine Visitenkarte vom Hotel und zehn Euro für die Taxi-Rückfahrt eingesteckt. Dann bin ich völlig ortsunkundig durch die Straßen gerannt“, erinnert sich Roland Eils. Der 39- Jährige ist ein viel gereister Mann und einer der 28 Teilnehmer des „MM hoch 42“- Teams, die sich mit unseren Kooperationspartnern Engelhorn sports, Pfitzenmeier, Sportomed und Med sportif für den MLP Marathon Mannheim Rhein-Neckar am 21. Mai 2005 fit machen. „Die Laufschuhe habe ich immer im Reisegepäck“, gesteht der junge Universitätsprofessor mit Lehrstuhl in Heidelberg. „Denn schließlich will
ich bei meinen ersten 42,195 Kilometern nicht nur ins Ziel kommen, sondern die Strecke auch in einer einigermaßen annehmbaren Zeit packen. Wenn ich die 3:30 schaffe, wäre ich stolz wie Oskar.“

Ehrgeiz und Disziplin haben den Naturwissenschaftler auch beruflich schnell ans Ziel gebracht. Seit 2001 leitet der gebürtige Krefelder die Abteilung für theoretische Bioinformatik am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ). Zwei Jahre zuvor zeichnete ihn das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft mit dem höchsten deutschen Nachwuchs- Forscherpreis aus. Stolze 1,2 Millionen Euro war dem Ministerium die Studie despromovierten Mathematikers wert. Der Marathon nun eine Herausforderung der neuen Art? Roland Eils lacht: „Beruf und Sport haben einiges gemeinsam. Wer Leistung bringen will muss bereit sein, den inneren Schweinehund zu überwinden. Die besondere Herausforderung für mich besteht darin, mein Durchhaltevermögen und die Langstreckentauglichkeit von der Wissenschaft auf die Laufstrecke zu übertragen. Was die Voraussetzungen vom Kopf anbetrifft, ist das kein Problem. Die anderen 50 Prozent im Bereich Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Technik muss ich mir natürlich erarbeiten.“

Erarbeiten, das heißt für den in Schriesheim mit seiner Frau Ute und den beiden Töchtern Adjana (15) und Vivien (17) lebenden Hobby-Skifahrer, Squash-Spieler und Salsa-Tänzer bis zur vier Mal Lauftraining wöchentlich. „Regelmäßig laufe ich erst seit etwa einem Jahr. Mit der Vorbereitung auf den Marathon habe ich am 30. Oktober gezielt begonnen. Es macht einen Riesenspaß in der Gruppe und unter Anleitung von einer so erfahrenen Läuferin wie Maria Räther“, trotzt Roland Eils auch über die kalten Wintermonate allen widrigen Witterungsumständen „ganz ohne Probleme“. Dabei hatte er Glück. Denn per Zufall – beim Shopping – und kurz vor Ende der Bewerbungsfrist, fiel ihm das Plakat ins Auge. „Ich bin sofort hin, habe mir die Unterlagen geben lassen und wurde als siebter Teilnehmer gerade noch in die Gruppe von Engelhorn sports – neben Gerlinde Baunach-Mayer, Doris Schneckenburger, Dagmar Wagner, Thomas Mück, Reiner Jung und Ursula Zelter aufgenommen“.

Die ersten Wettkampferfahrungen hat Eils bereits gesammelt. Bei den zwei Halbmarathons in Stuttgart und Wilhelmsfeld war er mit seinen Zeiten mehr als zufrieden. „Da hat mich, auch zur Überraschung meines persönlichen Umfelds, der Ehrgeiz gepackt, einen vollen Marathon anzugehen. Am 21. Mai, fünf Tage vor meinem 40. Geburtstag, möchte ich nun mit der Unterstützung meiner Familie und Freunde in Mannheim laufen. Mannheim ist mir bei meiner Premiere deshalb wichtig, weil ich seit zehn Jahren in der Rhein-Neckar- Region zuhause bin und mich hier sehr wohl fühle“. Mit Humor fügt Roland Eils hinzu: „Schließlich kommt M vor N. Erst Mannheim, dann New York.“
Dem 1,72 großen, gerade 62 Kilo wiegenden Ordinarius der Uni Heidelberg nimmt man seine ehrgeizigen Ziele ab. Er wirkt gelassen, entspannt, locker und stets überzeugt von dem, was er gerade tut, oder noch zu tun gedenkt im Leben. Als sei es die selbstverständlichste Nebensache der Welt, erwähnt er noch kurz, dass es ihn mit seiner Familie 1992 für zwei Jahre zum Sprachstudium der Malaiologie nach Bandung/Indonesien verschlagen hat. Unbeantwortet bleibt einzig die Frage, ob Eils auch damals schon die Laufschuhe im Gepäck hatte.

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