15.01.2005 | Mannheimer Morgen

Vom Sprint zum Marathon – oder die Arbeit an der „Pferdelunge“

LEICHTATHLETIK: Dagmar Wagner startet beim MLP-Marathon im „MM hoch 42“-Team

Von unserem Mitarbeiter Roland Bode

Sie ist im rumänischen Großsanktnikolaus vor den Toren von Temsvar geboren. Sport, speziell die Leichtathletik, hat es der 35-jährigen Dagmar Wagner schon immer angetan. „Früher bin ich nur die Sprintstrecken gelaufen – 100, 200 oder 400 Meter. Jetzt möchte ich einmal testen, ob ich auch der Herausforderung eines Marathons gewachsen bin“, erzählt die gelernte Großund Außenhandelskauffrau, die in Neckarhausen wohnt und zu den 28 Teilnehmern des „MM hoch 42“ Teams gehört, die sich bei unseren Kooperationspartnern Sportomed, Med sportif, Pfitzenmeier und Engelhorn sports auf den MLP-Marathon Mannheim Rhein-Neckar am 21. Mai vorbereiten.

In der siebenköpfigen Gruppe von Engelhorn sports, der auch Thomas Mück, Roland Eils, Reiner Jung, Ursula Zelter, Doris Schneckenburger und Gerlinde Baunach-Mayer angehören, fühlt sich die verheiratete Mutter von zwei Kindern spürbar wohl: „Wir trainieren vier Mal in der Woche. Trainerin Maria Raether macht einen Riesenjob. Mir kommt sicherlich etwas zu Gute, dass ich schon vorher regelmäßig gelaufen bin“, lobt sie. Laufen – das heißt für Dagmar Wagner in erster Linie „den Kopf frei zu bekommen“. Erlebt hat sie wahrlich genug. „Genau genommen war ich bis zu meinem 20. Lebensjahr wie in einem Käfig gefangen“, erzählt sie über ihre schwere Jugend in Rumänien, wo auch sie ein „Opfer des diktatorischen Ceaucescu-Regimes“ war. Einzig positive Erinnerungen an ihre alte Heimat: „Ich habe dort meinen Mann kennen gelernt, konnte eine deutsche Schule besuchen. Das war es im Wesentlichen. Diese Zeit ist für mich längstabgehakt. Im Jahr 1989 sind wir dann ausgesiedelt. Zuerst nach Mannheim, seit einiger Zeit bin ich nun in Neckarhausen zu Hause. Und irgendwie ist es dort wie in Großsanktnikolaus. Eine kleine Gemeinde, jeder kennt jeden, alles ist sehr familiär.“

Einzig ihre ursprünglicheBerufsabsicht, Grundschullehrerin, konnte sich die Hobby-Schwimmerin und Radlerin nicht mehr erfüllen. „Ich hatte in Rumänien schon zwei Jahre meiner Ausbildung absolviert, hätte nur noch ein weiteres gebraucht, um den Beruf auch in Deutschland anerkannt zu bekommen. Doch wir wollten dann so schnell wie möglich weg. In der Bundesrepublik hätte ich mit einem Studium ganz von vorne beginnen müssen. Das wollte ich nicht. Aber ich bin mit meinem jetzigen Job auch sehr zufrieden.“ Dass Dagmar Wagner Angestellte des Mannheimer Unternehmens Berrang ist, schlägt natürlich sofort die Brücke zu ihrem Chef, besser gesagt Reiterpräsident Peter Hofmann. Marathon hier, Pferde da – „ich arbeite neben meiner eigentlichen Tätigkeit dann wohl auch an einer Pferdelunge“, lacht sie plötzlich.

Was war für sie der wesentliche Grund zumAusdauersport zu wechseln? „Wenn du die kurzen Strecken läufst, musst du auf den Punkt fit sein und hast kaum mehr Möglichkeiten, Schwächen oder Fehler zu korrigieren. Das ist das Schöne an der Langstrecke. Hier kann ich mir trotz der Dauerbelastung die Kräfte selbst einteilen.“ In guter Form scheint sie unterdessen schon zu sein. Knapp 53 Minuten brauchte sie beim ersten „Testlauf“ über 10 000 Meter in Rheinzabern. Die 15 000 Meter an gleicher Stelle schaffte sie innerhalb der dortigen Winterlauf-Serie in 1:20 Stunden. Am 6. Februar folgt als nächste Vorbereitung ein 20-Kilometer-Lauf und im Frühjahr abschließend der Halbmarathon in Heidelberg. „Ich bin sehr ehrgeizig und willensstark. Halbe Sachen gibt es für mich nicht“, ist Dagmar Wagner davon überzeugt, dass sie die 42,195 Kilometer am 21. Mai gut vorbereitet bewältigen wird. „Natürlich ist zunächst das Ziel, gesund anzukommen. Wenn ich es in vier Stunden schaffe, wäre ich sehr zufrieden“, hat sie sich zeitlich eine Vorgabe gegeben. Entsprechende Rückendeckung dafür scheint schon garantiert: „Wenn all die vielen Leute aus dem Freundes- und Bekanntenkreis kommen, die versprochen haben, mich anzufeuern, ist ein Straßenabschnitt der Strecke wohl schon voll“, lacht sie wieder.
Man merkt Dagmar Wagner an, dass ihr Laufen und Leichtathletik schon über Jahre ans Herz gewachsen sind. Für sie ist es folglich keine Frage, dass sie sich auch nach dem 21. Mai wieder auf den Weg machen wird, um sich den „Kopf frei zu machen“. Eine zusätzliche und logische Erklärung dafür lässt sie am Ende des Gesprächs folgen: „Wenn ich meinen 40. Geburtstag feiern werde, das ist im Jahr 2009 – werde ich auf alle Fälle am New York- Marathon teilnehmen. Das ist jetzt schon sicher und ein ganz großes Ziel von mir.“ Mit der bis dorthin längst erarbeiteten „Pferdelunge“ dürfte es für Dagmar Wagner wohl auch dann kein Problem mehr sein, den Zielstrich in der amerikanischen Metropole an der Ostküste zu überqueren.

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